Melanchtongemeinde Malsch

Gebete und Lesepredigt zum Karfreitag

von Pfarrer Claudius Zeller
10. April 2020

pdf zum Download

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesspruch am Karfreitag

Also hat Gott die Welt geliebt,
dass er seinen eingeborenen Sohn gab,
damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden,
sondern das ewige Leben haben. (Johannes 3,16)


Psalm 22
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?
Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,
und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

Aber du bist heilig,
der du thronst über den Lobgesängen Israels.

Unsere Väter hofften auf dich;
und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

Zu dir schrien sie und wurden errettet,
sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;
denn es ist hier kein Helfer.

Sie teilen meine Kleider unter sich
und werfen das Los um mein Gewand.

Aber du, HERR, sei nicht ferne;
meine Stärke, eile, mir zu helfen!


Gebet
Gott, wir stehen vor dir
mit leeren Händen –
was könnten wir dir auch geben!
Unseren Glauben?
Unsere Treue und Zuverlässigkeit?
Unsere Liebe?
Kaum –
zu dürftig,
zu zerbrechlich,
zu klein – grade in diesen Zeiten.
Darum Gott,
wir halten dir unsere leeren Hände hin,
damit du uns gibst:
Deine Liebe, deine Kraft.
Fülle unsere leeren Hände,
mit deinen guten Gaben,
gib, was wir brauchen,
für ein aufrechtes, erfülltes Leben,
das im Vertrauen gründet. Amen.


Das Evangelium von Jesu Leiden und Sterben nach Johannes
Pilatus überantwortete ihnen Jesus,
dass er gekreuzigt würde.
Sie nahmen ihn aber, und er trug selber das Kreuz
und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf Hebräisch Golgatha.
Dort kreuzigten sie ihn
und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten,
Jesus aber in der Mitte.
Pilatus aber schrieb eine Aufschrift
und setzte sie auf das Kreuz;
und es war geschrieben:
Jesus von Nazareth, der Juden König.
Diese Aufschrift lasen viele Juden,
denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde,
war nahe bei der Stadt.
Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.
Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus:
Schreibe nicht: Der Juden König,
sondern dass er gesagt hat: Ich bin der Juden König.
Pilatus antwortete:
Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.
Die Soldaten aber, da sie Jesus gekreuzigt hatten,
nahmen seine Kleider und machten vier Teile,
für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch den Rock.
Der aber war ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.
Da sprachen sie untereinander:
Lasst uns den nicht zerteilen,
sondern darum losen, wem er gehören soll.
So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt:
„Sie haben meine Kleider unter sich geteilt
und haben über mein Gewand das Los geworfen.“
Das taten die Soldaten.
Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter
und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas,
und Maria Magdalena.
Als nun Jesus seine Mutter sah
und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte,
spricht er zu seiner Mutter:
Frau, siehe, das ist dein Sohn!
Danach spricht er zu dem Jünger:
Siehe, das ist deine Mutter!
Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.
Danach, als Jesus wusste,
dass schon alles vollbracht war,
spricht er,
damit die Schrift erfüllt würde:
Mich dürstet.
Da stand ein Gefäß voll Essig.
Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig
und legten ihn um einen Ysop
und hielten ihm den an den Mund.
Da nun Jesus den Essig genommen hatte,
sprach er:
Es ist vollbracht.
Und Jesus neigte das Haupt und verschied.

 

Lesepredigt
Es war ein einsamer Weg,
den Jesus gehen musste.
Am letzten Abend
im Garten Gethsemane hatte er ausgesprochen,
wie schwer dieser Weg fiel.
Er sprach von seiner Angst,
von seiner Verzweiflung
Meine Seele ist betrübt bis in den Tod (Mt 26,38)
Und dann kam auch schon Judas mit den Soldaten.
Er küsste Jesus,
sie legten ihm Fesseln an
und nahmen ihn mit.
„Da verließen ihn seine Jünger und flohen“ Mt 26,56
Es war ein einsamer Weg,
den Jesus gehen musste.
Die Jünger hielten dem Druck nicht stand.
Ihre Angst war größer als ihre Treue.
Sie ließen ihren Freund allein.
Es war ein einsamer Weg.

Allerdings,
einer versucht bei ihm zu bleiben: Petrus.
Auf Distanz, aber immerhin!
Er geht heimlich mit in den Palasthof.
Dort halten sie Jesus gefangen.
Dort soll er von den Priestern verhört werden.
Petrus will seinem Freund irgendwie nahe sein,
will ihn spüren lassen:
Ich bin bei dir,
mein Jesus,
heimlich, unbemerkt.
Aber ich lass dich nicht allein.
das hab ich dir versprochen.
Dann aber,
als es drauf ankommt,
als sie Petrus erkennen
und ihm sagen:
Du gehörst doch auch dazu.
Du bist doch auch einer von diesen Jesusleuten.
Da hatte er nicht den Mut
und nicht die Kraft:
Ich kenne den Menschen nicht,
sagt er,
und weint
über diese Antwort,
über seine Lüge,
über seine Feigheit.
Ein einsamer Weg,
den Jesus gehen musste.
_______________

Heute am Karfreitag
erinnern wir uns daran.
Wir stellen uns dem Leid:
Jesus nimmt das Kreuz,
sie prügeln ihn durch die Gassen,
er bricht zusammen
und steht wieder auf.
Dann sind sie auf dem Hügel,
er wird an den Balken genagelt
und leidet viele Stunden –
allein.
Selbst ein Mitverurteilter,
der neben ihm hängt,
distanziert sich
mit Spott und Häme.
Bist du nicht der Christus? Dann hilf dir selbst! (Lukas 23,39)
So erzählt es der Evangelist Lukas.
Keine Solidarität unter Schicksalsgenossen.
Jesus stirbt allein.
Kein tröstliches Wort,
keine körperliche Nähe,
kein letztes Streicheln,
kein Festhalten und Umarmen.
Es ist ein einsamer Weg,
den Jesus gehen muss.
________________

Ich denke an die vielen Menschen,
die zur Zeit in Krankenhäusern,
in Pflegeheimen und Behindertenwohngruppen sind –
auch alleine, weil Besuch nicht mehr erlaubt ist.
In solchen Zeiten bräuchte man sie doch,
die einem nahe stehen,
denen man sich anvertrauen möchte,
die Familienangehörigen,
die Freunde,
die einem Mut machen
und Hoffnung geben können.
Die Krisenzeit lässt es nicht zu.
Und ich denke auch an die Menschen,
die alleine sterben müssen,
nicht umgeben von ihrer Familie,
wie man sich das wünscht,
sondern abgesondert,
hinter verschlossenen Türen,
isoliert in Krankenhäusern oder Pflegeheimen.
Es muss furchtbar sein,
alleine zu sterben,
ohne die, die einem lieb und wert sind.
Oft schon haben Menschen mir erzählt,
wie wichtig
grade diese letzte Begleitung
in der Sterbestunde war
für den Abschied,
für den Trauerprozess,
für das Loslassen können,
wie wertvoll
ein Wort,
eine Geste,
ein Gebet,
ein Lied waren
am Sterbebett.
Sie bleiben in Erinnerung
und helfen den Verlust zu ertragen.
In diesen angespannten Zeiten
haben viele Sterbende
diese Begleitung nicht.
Sie sterben alleine.
Ich höre auch,
wie es die Angehörigen schmerzt und überfordert.
Sie leiden unter der Situation,
weil ein wichtiger Teil des Trauerprozesses
nicht stattfinden kann,
nämlich der persönliche Abschied:
der letzte Blick,
die letzte Berührung,
das letzte „Gott befohlen“.
_________________

Der Karfreitag,
der Weg Jesu ans Kreuz,
steht symbolisch für die
bedrückende Seite des Lebens,
für die vielen Momente,
in denen Menschen sich
alleingelassen und vergessen fühlen.
Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen (Mk15,34)
Aber dem aufmerksamen Leser entgeht nicht,
dass diese Geschichte vom Sterben Jesu
auch Zeichen setzt,
die von Gottes Nähe,
von Trost,
von Treue
und Hoffnung erzählen –
vorsichtig und zurückhaltend:
Da sind
die Wegbegleiterinnen des Gekreuzigten,
die versuchen ihrem Jesus wenigsten etwas nahe zu sein:
Es waren auch Frauen da, die von ferne zuschauten. (Mk 15,40)
Da ist der zweite Mitverurteilte,
der in Jesus den rettenden Erlöser erkennt
und sich ihm in der Todesstunde anvertraut:
Jesus, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst. (Lk 23,42)
Da ist der römische Hauptmann,
der die Hinrichtung leitet
und vom sterbenden Jesus bekennt:
Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen. (Mt 27,54)
Da ist der wohlhabende Josef aus dem Städtchen Arimathäa,
der den toten Jesus würdevoll bestatten lässt.
Und da ist nicht zuletzt
Jesus selber,
der sich auf diesem einsamen Weg
ganz in Gott geborgen weiß:
Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist (Lk 23,46)
Zeichen der Nähe Gottes,
Zeichen der Hoffnung
mitten im Leid.
Wer diese Geschichte liest,
spürt zwischen jeder Zeile
wie Verlassensein schmerzt.
Gemeinschaft ist ein Urbedürfnis jedes Menschen.
Die ersten Kapitel der Bibel beschreiben es:
Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei. (1. Buch Mose 2,18)
_______________________

Wir sind aufeinander angewiesen.
Wir brauchen einander.
Wir brauchen die Gemeinschaft auf vielfältige Weise:
Wir brauchen
den Austausch.
die Geselligkeit,
gemeinsames Singen, Feiern, Lachen.
Wir brauchen die Familie, die Freunde,
die Nachbarn, die Vereinskollegen.
Wir brauchen
Anteilnahme,
Beistand,
Mitgefühl,
aber auch die ganz praktische Hilfe
im alltäglichen Umgang.
Wir brauchen die gegenseitige Begleitung
durch schwierige Situationen hindurch.
Wir brauchen,
den Trost, den wir einander geben können,
wenn das Herz schwer ist.
Und wir brauchen die Gemeinschaft mit Gott,
die uns auch dann noch hält und trägt,
wenn alle anderen
nicht mehr da sein können.
Vielleicht bringt uns diese Krise
so paradox es klingen mag,
wieder näher zusammen,
weil sie uns voneinander trennt.
Dieser Karfreitag 2020
mit seinen besonderen Umständen
ruft uns ins Gedächtnis zurück,
wie sehr wir einander doch brauchen,
und wie sehr wir Gott brauchen –
nicht nur in Krisen
nicht nur, wenn alles in Frage steht
und nicht nur am Ende des Lebens.
Amen.

 

Gebet
Gott,
manchmal müssen wir
einsame Wege gehen,
manchmal fühlen wir uns
alleingelassen.

Gefühle
von Ohnmacht und Hilflosigkeit
beschleichen uns.
Wir fühlen uns ausgeliefert,
kommen in Zweifel.

Gib uns dann Glauben,
der solchen Momenten standhält.
Wir bitten dich
für die Einsamen,
die Alleingelassenen,
die Ausgeschlossenen,
die Hilflosen.

Wir bitten dich
für die Zweifler,
die Kleingläubigen,
für die, die dich aufgegeben haben.

Wir bitten
für die Kranken
für die Sterbenden
für die Trauernden.

Und wir bitten
für alle, die sich um sie kümmern.
Bleibe uns verbunden Gott –
in dieser krisenhaften Zeit besonders.
Gib und Zeichen der Nähe,
Zeichen der Hoffnung.
Amen.

 

Montag, 15.11.2021

Kleidersammlung für Bethel

In der Zeit vom 11. November bis 15. November 2021 findet in unserer Gemeinde wieder die jährliche Kleidersammlung für die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel statt. ... weiterlesen