Melanchtongemeinde Malsch

Impulse, Lesepredigt und Gebet zum Ostersonntag

von Pfarrer Claudius Zeller
12.April 2020

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Ostern:

Wir dürfen Wunder erwarten.
Oft kommen sie behutsam
und leise daher.
Als entdecke man
einen ersten Krokus im Schnee.
Als stärke einem
plötzlich jemand den Rücken.
Als habe man in der Zeitung
von Hoffnung gelesen.
Als halte der Tag
ein Lächeln bereit.
Ostern:
Wunder erwarten.
Ja, das dürfen wir.
Gott gibt dem Leben recht.

Tina Willms

 

Psalm 118

Der HERR ist meine Macht und mein Psalm
und ist mein Heil.

Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten:
Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

Die Rechte des HERRN ist erhöht;
die Rechte des HERRN behält den Sieg!

Ich werde nicht sterben, sondern leben
und des HERRN Werke verkündigen.

Der HERR züchtigt mich schwer;
aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit,
dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

Das ist das Tor des HERRN;
die Gerechten werden dort einziehen.

Ich danke dir dass du mich erhört hast
und hast mir geholfen.

Der Stein, den die Bauleute verworfen haben,
ist zum Eckstein geworden.

Das ist vom HERRN geschehen
und ist ein Wunder vor unsern Augen.

Dies ist der Tag, den der HERR macht;
lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

 

Gebet

Gott, des Lebens,
in diesem Jahr fällt es uns schwer das Osterfest zu feiern.
Der Osterjubel will nicht so recht über unsere Lippen.
Um uns her gibt es so viel Angst und Sorge,
so viel Leiden und Not,
so viel Krankheit und Tod.
Aber vielleicht brauchen wir gerade in dieser dunklen Zeit
die Botschaft von Ostern
und das Licht der Hoffnung, das am Ostermorgen aufleuchtet.
Darum bitten wir dich, Gott,
hol uns heraus aus Mutlosigkeit, Angst und Zweifeln!
Lass die Osterbotschaft heute neu unser Herz erreichen,
damit wir froh werden und Hoffnung schöpfen
und unser Glaube stark wird.
Amen.

 

Lesepredigt

Liebe Gemeindeglieder,
liebe Leserinnen und Leser,
das Osterfest 2020
ist leider anders als wir dachten:
Keine Familientreffen,
keine Ausflüge in die aufblühende Natur,
keine Einladung zum Kaffee bei Oma und Opa,
kein gemeinsames Osterfrühstück im Gemeindesaal
und auch keine Gottesdienste.
Ich muss gestehen,
es schmerzt mich sehr,
dass wir am frühen Ostermorgen,
wenn es noch dunkel ist,
nicht in der Kirche
zusammenkommen dürfen,
um den Auferstandenen und den Sieg des Lebens zu feiern.
Denn die Osternachtfeier ist immer etwas ganz Besonderes:
Das Osterfeuer,
das Entzünden der Osterkerze,
das Dunkel der Kirche,
das Osterlicht, das durch die Reihen wandert
und alle ansteckt und mitnimmt,
die Erinnerung an Gottes Taten seit alters her –
bis hin zum jubilierenden Ruf,
der seit 2000 Jahren
diese Nacht durchbricht
und zum Leben einlädt:
„Der Herr ist auferstanden,
er ist wahrhaftig auferstanden, halleluja“.
Das wird mir fehlen.
Denn es ist immer wieder ein besonderer Moment,
wenn mit diesem Bekenntnis die Orgel ertönt,
und die Glocken läuten,
um hinaus zu tönen in die Welt,
und die frohe Botschaft zu sagen:
Alles Leben ist in Gottes Hand.
Und er behütet es
durch Leid, durch Zweifel
und alle Widrigkeiten hindurch.
Hatten Sie sich auch auf Ostern gefreut?
Während draußen die Natur erwacht und aufblüht,
auch die eigene Winterstarre abstreifen
und selbst zum Leben erweckt werden.
Ostern hat etwas Befreiendes,
etwas Leichtes, Losgelöstes.
Ostern - das ist ein Schub für das Leben,
der anstecken und mitziehen will.
Hanns Dieter Hüsch hat dieses Gefühl
in Worte gekleidet:
Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit,
mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen,
das Elend und die Zärtlichkeit.
Was macht, dass ich so fröhlich bin
in meinem kleinen Reich?
Ich sing und tanze her und hin
vom Kindbett bis zur Leich.
Was macht, dass ich so furchtlos bin
an vielen dunklen Tagen?
Es kommt ein Geist in meinen Sinn,
will mich durchs Leben tragen.
Was macht, dass ich so unbeschwert
und mich kein Trübsinn hält?
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
wohl über alle Welt.
(Hanns Dieter Hüsch: Das kleine Buch zwischen Himmel und Erde)
Aber nun:
Die krisenhaften Ereignisse rund um den Globus
stellen die österliche Freude,
die Leichtigkeit, den Optimismus,
die Unbeschwertheit dieses Festes in Frage.
Es ist amtlich:
Wir dürfen nicht zusammenkommen.
Wir dürfen nicht gemeinsam Singen, Beten, Loben
und den auferstandenen Christus feiern.
Und ehrlich gesagt:
Es fehlt auch die innere Stimmung
zum fröhlichen Jubel.
Viele machen sich Sorgen um Angehörige und Freunde,
dazu die Angst vor Ansteckung und ernsthafter Gefährdung –
nicht nur bei den Alten.
Wie geht es weiter mit dieser Krise?
Wie lange werden wir noch so abgeschottet leben müssen?
Und welche Auswirkungen bleiben
über die Krise hinaus,
wenn irgendwann wieder Normalität herrscht?
Können wir unter diesen Umständen
Ostern überhaupt feiern,
dieses Freuden- und Jubelfest?
Liebe Gemeindeglieder,
liebe Leserinnen und Leser,
wir können es nicht feiern,
wir müssen es feiern!
Denn grade in solche herausfordernden Erfahrungen,
wie wir sie grade machen müssen,
ruft die Osterbotschaft ja hinein:
Alles Leben ist in Gottes Hand.
Und er behütet es
durch Leid, durch Zweifel
und alle Widrigkeiten hindurch.
_________________

Ähnliches durchlebten
die Begleiterinnen und Begleiter von Jesus damals.
Sie hatten alles verloren.
Ihr Freund und Gefährte war tot.
Und sie hatten doch so viel erwartet,
so große Hoffnungen in ihn gesetzt.
Aber nun ist alles vorbei.
Alles ist anders.
Eben noch mit Jesus verbunden,
eine Zukunft vor Augen –
und nun ist alles dunkel und trist.
Nichts ist mehr, wie es eben noch war.
Was soll werden?
Wie soll es weitergehen?
Dann aber erzählt der Evangelist Markus dieses Ereignis:
Und als der Sabbat vergangen war,
kauften Maria Magdalena
und Maria, die Mutter des Jakobus,
und Salome
wohlriechende Öle,
um hinzugehen und ihn zu salben.
Und sie kamen zum Grab
am ersten Tag der Woche,
sehr früh, als die Sonne aufging.
Und sie sprachen untereinander:
Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?
Und sie sahen hin und wurden gewahr,
dass der Stein weggewälzt war;
denn er war sehr groß.
Und sie gingen hinein in das Grab
und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen,
der hatte ein langes weißes Gewand an,
und sie entsetzten sich.
Er aber sprach zu ihnen:
Entsetzt euch nicht!
Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten.
Er ist auferstanden, er ist nicht hier.
Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.
Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus,
dass er vor euch hingeht nach Galiläa;
da werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab;
denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.
Und sie sagten niemand etwas;
denn sie fürchteten sich.
(Markusevangelium 16,1-8)
Für die drei Frauen ist es dunkel.
Es ist noch Nacht,
als sie zum Grab aufbrechen.
Mit dabei:
die Last der letzten Tage,
die Traurigkeit,
die Verzweiflung,
die Hilflosigkeit.
Aber dann,
als sie ans Grab kommen,
und der Verlust nochmal so richtig greifbar wird,
geht die Sonne auf.
Es wird hell:
Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten;
er ist auferstanden, er ist nicht hier.
Die Osterbotschaft.
In diesem einen Satz
kulminiert die Geschichte,
gründet unser Glaube:
Gott bringt in die dunklen Lebenserfahrungen,
auf geheimnisvolle Weise
Licht und Leben.
Wo eben noch alles verloren schien,
darf Hoffnung keimen.
Aber:
Ostern übertüncht nicht die Schattenseiten des Lebens
mit dem frommen Wort:
Der Herr ist auferstanden!
Ostern färbt nicht schön.
Ostern ist die Zusage Gottes
in die dunkeln, abgründigen, unbegreiflichen Situationen menschlichen Lebens hinein:
Hab Vertrauen!
Das Dunkel wird sich lichten,
du wirst sehen.
Ostern ist ein Schub für das Leben,
der anstecken und mitziehen will.
Aber so einfach erstehen verschreckte Herzen nicht auf,
so einfach fallen Trauer und Fassungslosigkeit nicht ab.
Der Evangelist Markus erzählt das präzise und nüchtern.
Ostern trifft Menschen in ihrer Not –
und es wird nun nicht
wie durch ein Wunder
alles einfach wieder gut.
Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab;
denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen.
Und sie sagten niemand etwas; denn sie fürchteten sich.
Die österliche Botschaft zündet nicht.
Man spürt die Verunsicherung,
die Angst,
den Zweifel der drei.
Sie liegen sich nicht in den Armen,
sie singen nicht,
sie tanzen nicht vor Freude
sie laufen nicht los, um es den anderen weiterzusagen.
Nein, sie laufen davon
mit zittrigen Knien,
ganz durcheinander und verschreckt.
‚Auferstehung‘ ist ein Geheimnis.
Die biblischen Erzählungen
lüften es an keiner Stelle.
Aber sie schildern uns
Erfahrungen von Menschen.
Wie sie
durch die Auferstehungsbotschaft befreit,
die Furcht verlieren,
und Mut gewinnen
und positiv nach vorne schauen können,
dem Leben zugewandt,
stark für Herausforderungen,
mit dem tiefen Vertrauen,
dass Gott in allem nahe ist.
Dieses Vertrauen muss erst in die Tiefe wachsen.
Was der Verstand hört,
kann das Herz erst allmählich wahrhaben.
Ostern will die Welt nicht bunt übertünchen.
Sie ist und bleibt in vielen Teilen
dunkel,
erschreckend
und traurig.
Aber:
„Durch das Dunkel hindurch,
scheint der Himmel hell“,
heißt es in einem neueren Kirchenlied.
Durch das Dunkel hindurch
schimmert die österliche Zusage:
Alles Leben ist in Gottes Hand.
Und er behütet es
durch Leid, durch Zweifel
und alle Widrigkeiten hindurch.
In diesem Jahr
ist der österliche Jubel
verhalten.
Zu viele Menschen sind in diesen Tagen
getroffen vom Leid,
das ein Virus
über die ganze Welt
verbreitet hat.
Aber „durch das Dunkel hindurch
scheint der Himmel hell“,
durch das Dunkel hindurch
schimmert die frohe Botschaft:
Wir sind aufgehoben
beim liebevollen Gott,
der uns in krisenhaften Zeiten
trägt und behütet.
Amen.
Gebet
Gott,
begleite uns
durch das Dunkel unseres Lebens
ins Licht.
Vertreibe
die Nacht der Furcht
durch die Hoffnungssonne
des Ostermorgens
Düstere Gedanken,
Sorgen
und Unsicherheit
verwandele
in Mut
und Vertrauen.
Gib Glauben, der trägt,
Hoffnung, die beflügelt,
und Liebe, die erfüllt.
So bitten wir durch Jesus Christus.
Amen.

 

Lied: Durch das Dunkel hindurch

Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell.
Durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell.
So hell soll auch die Erde sein, steht auf, steht auf, steht auf,
so hell soll auch die Erde sein, steht auf!
Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort.
Durch das Dunkel hindurch dringt ein neues Wort.
Das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf, steht auf, steht auf,
das Wort wird uns zur Zuversicht, steht auf!
Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg.
Durch das Dunkel hindurch führt ein neuer Weg.
Der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf, steht auf, steht auf,
der Weg wird unsre Zukunft sein, steht auf!


Text: Hans-Jürgen Netz.
Melodie: Christoph Lehmann. © tvd-Verlag, Düsseldorf

 

Montag, 15.11.2021

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