Melanchtongemeinde Malsch

Lesepredigt zu Psalm 23 am Sonntag Misericordias Domini

von Pfarrer Claudius Zeller
26. April 2020

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Der Friede Gottes sei mit euch allen. Amen.

Ich grüße Sie am heutigen Sonntag Misericordias Domini (zu deutsch: Barmherzigkeit Gottes) sehr herzlich und wünsche Ihnen Freude beim Nachlesen meiner Gedanken zu Psalm 23. Er steht an diesem Sonntag im Mittelpunkt.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag
und bitte bleiben Sie geduldig und hoffnungsvoll in schwierigen Zeiten!


Psalm 23: Der gute Hirte

Der HERR ist mein Hirte,
mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.


Psalm 23 in einer modernen Übersetzung

Gott ist immer bei mir.
Darum geht es mir gut.
Ich habe alles, was ich brauche.

Gott sorgt für mich.

Ich esse und trinke und werde satt.
Ich finde Ruhe.
Das tut mir gut.

Mein Atem wird kräftig.

Ich lebe.
Gott zeigt mir den richtigen Weg.
Gott macht mir Mut.
Gott macht mich stark.
Er hat es versprochen.
Davon will ich erzählen.

Manchmal habe ich Angst.

Manchmal bin ich krank.
Manchmal habe ich Schmerzen.

Auch dann weiß ich:

Gott ist da.
Gott hilft mir.
Gott beschützt mich.

Gott deckt einen Tisch für mich.

Von Allem ist genug da.
Ich darf essen und trinken.

Meine Feinde beneiden mich.

Gott gibt mir schöne Kleider
und duftendes Parfüm.
Von allem ist genug da.

Gott gibt mir nur Gutes und Liebes.

Ich fühle mich wohl
und bin fröhlich,
mein Leben lang.

Ich wohne mit Gott

in seinem Haus.
Ich bin bei Gott,
jeden Tag.

(Die offene Bibel)

 

Predigt über Psalm 23 am 26.4.2020

Liebe Gemeinde,
wenn wir eines aus der Bibel auswendig können,
dann ist es dieser Psalm 23.
Überschrieben mit dem Satz: Der gute Hirte.
Stammt angeblich vom König David,
der ja nicht nur Feldherr und Regent,
sondern auch ein begabter Dichter und Musiker war.
Dieser Psalm ist fast 3000 Jahre alt,
spiegelt eindeutig das Leben am Rande der Wüste wider
und reicht weit in die Zeit des Nomadentums zurück.
Was dem Gebet seine Besonderheit und Beliebtheit gibt,
ist vor allem die Kraft der eindrucksvollen Bilder.
Gott wird mit einem Hirten verglichen,
der mit seinem Wissen, seinem Weitblick und seiner Fürsorge
für das Wohl der ihm anvertrauen Schaf- oder Ziegenherde Sorge trägt.
Ohne einen Hirten könnten Schafe nicht überleben.
Sie würden alleine die richtigen Weideplätze kaum finden
und sind Feinden schutzlos ausgeliefert.
Sie gelten als einfältig
und können sich noch nicht mal selber sauber machen,
hab‘ ich mir sagen lassen.
Sie müssen geduldig dastehen
und auf Regen vom Himmel warten.
Ihre einzige Funktion besteht darin,
gute Milch und wertvolle Wolle zu liefern.
Wenn ich über das Bild vom Hirten und seiner Herde
so richtig nachdenke,
weiß ich gar nicht, ob ich ein Schaf sein will.
Kraftvoller wären doch Sätze wie:
Der Herr ist mein Feldherr und ich sein Soldat.
Der Herr ist mein König und ich sein Botschafter.
Das wäre was anderes.
Das wäre ja eine bedeutsame Position
und die Menschen müssten mir zuhören.
Allerdings verbindet sich mit diesen Bildern
kein tröstlicher Zuspruch
und auch keine Hilfe.
Und gerade das ist es ja,
was uns aufhilft
und zu einem kindlichen Gottvertrauen ermuntert.
Gerade in schweren Zeiten einer Krise.
In denen ich Mangel leide,
in denen das Nötigste fehlt.
Und die dunklen Täler,
von denen der Psalm spricht,
hautnah zu erleben sind.
Gerade jetzt
liegt die Aktualität dieses biblischen Gebetes auf der Hand:
Sehr viele bangen um ihre nackte Existenz,
um ihr Überleben in den Kliniken,
fragen sich ängstlich, ob und wann es wieder aufwärts geht.
Wann können wir aufatmen,
uns wieder völlig frei bewegen
und vor allem die Menschen besuchen,
die uns so sehr am Herzen liegen?
Wir sind als Menschen durch und durch soziale Wesen
und auf andere hin ausgerichtet.
Uns fehlen die anderen.
Wir vermissen sie.
Das tut sehr weh
und verlangt von uns auf vielfältige Weise Verzicht.
Psalm 23 nimmt all das ernst und spricht es aus.
Vom Mangel an Weideplätzen und Wasser,
also vom Lebensnotwendigsten, ist die Rede.
Von Dunkelheiten, Orientierungslosigkeit,
von Furcht, die uns überfällt,
von engen Wegen und Feinden.
Wir finden uns an der einen oder anderen Stelle wieder.
Und das ist gut so,
denn nur der kann mich trösten,
der mir die Trostlosigkeit nicht auszureden versucht.
Ich will wahrgenommen und ernst genommen werden.
Dem stellt der Psalmbeter die göttliche Wirklichkeit gegenüber.
Bringt mein Leben und die Fürsorge Gottes
in einen direkten Zusammenhang.
Schenkt mir einen Blick,
der über die Grenzen meines Denkvermögens
und meiner Existenz hinausreicht.
Schenkt mir den Blick des Glaubens und sagt:
Es ist für dich gesorgt.
Du wirst das bekommen, was du benötigst:
Neue Kraft,
neuen Lebensmut,
eine Perspektive.
Es gibt jemanden, der über dein Leben wacht.
Der dich behütet,
auch wenn du es gar nicht für möglich hältst.
Der Glaube hält das Unmögliche für möglich.
Sogar einen gedeckten Tisch „im Angesicht meiner Feinde“.
Und immer ein volles Glas mit köstlichem Wein (Vers 5!).
Denn Gott schenkt uns mehr
als nur das Allernotwendigste.
Ich empfinde dies als eine große Hoffnung,
die mir auf den Kopf zugesagt wird
und die sich dann in meinem Herzen breit macht.
Gut, wenn wir das immer wieder hören können:
Gott ist wie ein Hirte zu uns.
Lass dich von deinen Sorgen nicht erdrücken.
Es ist für dich und alle gesorgt.
Amen.

 

Gebet

Du guter Hirte, barmherziger Gott.
Sind wir wie irrende Schafe?
Wir sehnen uns danach,
den Weg zu kennen.
Du weißt ihn.
Zeig uns den Weg.
Zeig ihn denen, die uns regieren,
die über uns bestimmen,
die unser Wohl wollen.
Du guter Hirte,
suchst du uns?
Bringe uns auf den richtigen Weg.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Jesus Christus.
Wir sind gefangen in unserer Sorge.
Du siehst die Ängste der Welt.
Schau auf die Menschen, die keinen Ausweg sehen -
auf der Flucht , in Lagern, im Krieg.
Schau auf die Menschen,
die kein Zuhause haben,
wo sie Schutz finden.
Und schau auf die,
für die der Schutzraum zur Gefahr wird,
die in der häuslichen Enge verzweifeln
und Angst um ihre Existenz haben.
Du guter Hirte,
suchst du sie?
Steh ihnen bei und trage sie auf deinen Schultern.
Erbarme dich.

Du guter Hirte, Heiliger Geist.
Siehst du den Glauben?
Siehst du die Hoffnung?
Unsere Nachbarn im Ramadan.
Unsere Glaubensgeschwister in der Ferne.
Unsere Gemeinde, unsere Familien.
Dir vertrauen wir,
denn du bist bei uns,
bei dir wird uns nichts mangeln.
Tröstest du uns?
Bereite uns den Tisch und bleib bei uns.
Erbarme dich, heute und alle Tage.
Amen.

 

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

 

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