Melanchtongemeinde Malsch

Lesepredigt zum Sonntag Jubilate

von Pfarrer Claudius Zeller
03. Mai 2020

pdf zum Download

 

Der Friede Gottes sei mit euch allen. Amen.

Ich grüße Sie heute am Sonntag Jubilate (zu deutsch: Freut euch, jubiliert) und freue mich,
dass Sie meine Predigten in schriftlicher Form so gerne lesen. Ich versuche auf diese Weise,
den Kontakt zu Ihnen zu halten und Ihnen einen kleinen Ausschnitt des sonntäglichen
Gottesdienstes zu ermöglichen.
So lange wird es nicht mehr dauern, bis wir die Kirchentüren wieder öffnen dürfen. Es zeichnet sich ab, dass es den Kirchen theoretisch erlaubt sein wird, ab dem 10. Mai zum Gottesdienst einzuladen, der allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen abgehalten werden kann.
Der Kirchengemeinderat wird in dieser Woche darüber beraten, wie wir die Auflagen erfüllen können, d.h. wann, wo und wie Gottesdienstfeiern bei uns in Malsch möglich sein werden.
Ein Problem werden die Platzverhältnisse in unserer Kirche sein, ein weiteres, das
notwendige Desinfektionsmittel in ausreichender Menge zu bekommen. Daran arbeiten wir.
Bitte entnehmen Sie den örtlichen Mitteilungsblättern weitere Informationen.

Nun wünsche ich Ihnen eine besinnliche Stunde mit dem Thema des Sonntags.
Im Mittelpunkt der Predigt steht ein Bibelwort aus dem Johannesevangelium
Die Überschrift lautet: Der wahre Weinstock

 

Wochenpsalm: Psalm 66

Jauchzet Gott, alle Lande! /
Lobsinget zur Ehre seines Namens;
rühmet ihn herrlich!

Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke!
Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

Alles Land bete dich an und lobsinge dir,
lobsinge deinem Namen.

Kommt her und sehet an die Werke Gottes,
der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

Er verwandelte das Meer in trockenes Land, /
sie konnten zu Fuß durch den Strom gehen.
Darum freuen wir uns seiner.

Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, /
seine Augen schauen auf die Völker.
Die Abtrünnigen können sich nicht erheben.

Lobet, ihr Völker, unsern Gott,
lasst seinen Ruhm weit erschallen,

der unsre Seelen am Leben erhält
und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist!


Das Evangelium des Sonntags: Johannes 15,1-8

Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.
Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg;
und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er,
dass sie mehr Frucht bringe.
Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.
Bleibt in mir und ich in euch.
Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst,
wenn sie nicht am Weinstock bleibt,
so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun.
Wer nicht in mir bleibt,
der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt,
und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.
Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben,
werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.
Darin wird mein Vater verherrlicht,
dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Fünf Impulse zum Bibeltext, Johannes 15,1-8

Impuls 1 – Glaube mit Zwischentönen

Zugegeben,
das Johannesevangelium
mit seiner Sprache und seiner Vorstellungswelt
ist vielen unzugänglich. Es verschreckt.
Die Worte klingen oft wie eine Drohung.
Malt Johannes nicht schwarz – weiß?
Teilt er die Welt nicht auf
in Licht und Finsternis,
in Gut und Böse,
in Gerettete und Verlorene?
Seine Texte scheinen jeden Leser vor die Frage zu stellen:
Auf welcher Seite willst du stehen?
Entscheide dich.
Auch die Anfangsverse aus Kapitel 15
scheinen diesem Schema zu folgen.
Wer bringt Frucht und wer nicht?
Wer bleibt und wer wird weggeworfen?
Wer hat wahren Glauben und wer wird ins Feuer geworfen?
Aber das Leben hat viele Zwischentöne.
Und der Glaube auch.
Mal leicht und einfach,
dann wieder zögerlich, zweifelnd,
mal mutig, forsch
und dann wieder voller Fragen und zerbrechlich.
Aber wächst der Glaube nicht eben an dieser Auseinandersetzung?
Kann er sich nicht erst in diesem Spannungsfeld wirklich vertiefen?


Impuls 2 - Glauben im Spannungsfeld des Lebens

Der Bibelabschnitt stellt die Frage nach dem Fundament:
Auf was bauen wir unser Leben?
Die Antworten sind heute vielfältig.
Leistung – sagen manche.
Vorankommen, Ziele erreichen
mehr leisten, besser werden,
schneller arbeiten,
rationalisieren, automatisieren, digitalisieren:
So generieren wir Wachstum und Fortschritt.
Aber wir stoßen an Grenzen.
Das Gesamtsystem Erde
verkraftet diese Denkweise nicht mehr.
Wir sind dabei, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören.

Globalisierung – sagen andere,
die Vernetzung der Welt,
alles hängt mit allem zusammen.
Das ist die Zukunft. Das sichert Wohlstand.
Handeln, wirtschaften, reisen rund um die Welt.
Geschäfte mit China, Kleidung aus Bangladesch,
Apres-Ski in Ischgl, Urlaub in der Karibik,
Exporte nach Afrika, Flüchtlingsströme nach Europa –
alles ist in Bewegung.

Aber in der aktuellen Krise
lernen wir grade sehr schmerzlich
die Kehrseite dieser Medaille kennen,
wie empfindlich dieses Netzwerk ist:
Ein Virus zieht mit den Wirtschaftsströmen um die Welt
und legt alles lahm.

Oder doch lieber auf Individualität setzen?
Ich bin mir selbst der Maßstab,
ich bin mein eigenes Gesetz.
Ich will mich entfalten,
will meine Möglichkeiten nutzen.
Ich mache, was mir Spaß macht,
gehe meinen Weg und schaue nur auf mich.

Aber die aktuelle Krise
beschränkt uns nun tatsächlich
fast nur auf uns selbst.
Kontakte sind nur spärlich möglich.
Und da merken wir auf einmal,
dass wir Kontakte brauchen,
dass wir von Beziehungen leben:
Mit anderen zusammensitzen,
ein Plausch beim Einkaufen,
einander besuchen,
gemeinsam feiern.

Wir brauchen die Gemeinschaft und das Miteinander.
Was ist unser Fundament, auf das wir uns gründen,
das Fundament, das standhält im Spannungsfeld des Lebens?
Man muss die obigen Bibelverse
nicht als Drohkulisse lesen.
Sie sind eine Werbung für den Glauben:
Bleibt stark und geduldig,
verliert den Mut und die Hoffnung nicht.
Besinnt euch immer wieder auf das, was euch trägt und Halt gibt,
und gebt es nicht auf –
grade in schwierigen, in Krisenzeiten.


Impuls 3 - Die Stärke von Jesus ist sein Vertrauen.

Jesus lebt vom Vertrauen.
Er war damals nach Jerusalem
ins Zentrum der Macht gekommen,
aber nicht als Herrscher,
um die Macht zu übernehmen.
Viele hatten das wohl gehofft:
Hosianna dem König von Israel (Joh 12,13),
hatten sie ihm zugerufen.
Aber Jesus geht seinen Weg.
Nicht machtvoller Triumph, sondern
Sanftmut,
Hingabe,
Liebe.
Ein neues Gebot gebe ich euch,
dass ihr euch untereinander liebt,
wie ich euch geliebt habe. (Joh 13, 34)
Das ist sein Weg.
Ein schwieriger Weg.
Aber er weiß sich dabei
von Gott begleitet und unterstützt.
Die Stärke von Jesus ist sein Vertrauen.
Er weiß sich ganz bei Gott.
Er ist von Gott erfüllt.
Davon zehrt er,
dadurch wird er gestärkt
und mutig für seinen Weg.
Die Stärke von Jesus ist sein Vertrauen.
Er selber drückt es so aus:
Ich und er Vater sind eins. (Joh 10,30)
In dieser engen Verbundenheit,
kann er seinen Weg gehen.
Gegen die eigene Ängste,
aber auch gegen die äußeren Widerstände.
Der Spott,
die Gewalt,
die Ignoranz,
die Überheblichkeit der andern –
nichts kann ihn beirren,
weil er sich vollkommen eins weiß mit Gott.
Dieses Eins-Sein mit Gott,
das ist die Stärke von Jesus.
Und die will er weitergeben.


Impuls 4 – Vertrauen bereichert

Jesus erklärt den Glauben
immer wieder mit bildhaften Vorstellungen
aus der bäuerlichen Welt.
Weil die Leute das kennen und verstehen.
Der heutige Bibelabschnitt
ist ein Paradebeispiel dafür.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh 15,5)
Ein eingängiges Bild: Der Weinstock.
Auf einem starken Stamm,
wachsen starke, kräftige Reben.
Und an denen können dann
viele süße Trauben reifen.
Ohne die Kraft aus dem Stamm
ist das aber nicht möglich.
Auch unser Glaube braucht die Verbindung
mit dem starken Stamm, mit Jesus Christus.
Die Verbundenheit mit ihm
befruchtet und bereichert ein Leben.
Jesus, der kräftige Stamm,
auf dem wir gedeihen können.
Das Vertrauen,
die Verbundenheit mit Gott,
das ist die Stärke von Jesus.
Und die will er an uns weitergeben.


Impuls 5 – Vertrauen will gelernt sein – immer wieder neu

Jesus weiß,
nur in dieser innigen Verbundenheit
sind wir stark und gewappnet,
um sein Werk fortzuführen,
nämlich die Liebe aufblühen zu lassen,
der Welt ein neues Gesicht zu geben
und gedeihlich zu leben.
Aber in dieses Vertrauen
müssen wir immer wieder hineinwachsen.
Unsicherheit, Enttäuschungen, Zweifel
stellen es oft in Frage.
Der ungläubige Thomas
steht bei Johannes stellvertretend
für diese Verunsicherung:
Ich kanns’s nicht glauben! (Joh 20,25)
Aber durch die Nähe zu Jesus lernt er zu vertrauen.
Ja, Vertrauen muss man lernen,
und immer wieder neu lernen.
Das erleben bereits die Christen
in den ersten Gemeinden.
Sie wollen die Ideale von Jesus nachleben.
Die Begeisterung für Jesus ist groß.
Sie glauben an die Liebe,
sie wollen die Welt verändern.
Gemeinschaft,
Gerechtigkeit,
respektvollen Umgang,
Versöhnung und Frieden –
das sind ihre Ziele.
Aber es ist ein mühsamer Weg,
der Enttäuschungen mit sich bringt
und viel Geduld braucht.
Nicht alle schaffen das.
Johannes macht Mut
und verweist auf Jesus:
Bleibt ihm nahe,
bleibt ihm verbunden.
Besinnt euch immer wieder auf den,
der euch wirklich Halt gibt,
gerade in schwierigen, in Krisenzeiten.
Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.
Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht;
denn ohne mich könnt ihr nichts tun. (Joh 15,5)
Amen.


Lied: Gott gab uns Atem

1. Gott gab uns Atem, damit wir leben.
Er gab uns Augen, dass wir uns sehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
dass wir auf ihr die Zeit bestehn.
Gott hat uns diese Erde gegeben,
daß wir auf ihr die Zeit bestehn.

2. Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

3. Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.


Gebet

In dir bleiben, Christus.
Die Kraft von dir empfangen.
Aus deiner Wurzel leben.
Aufnehmen und weiterreichen, was du uns gibst.
Frucht bringen.
Christus, ohne dich können wir nichts tun.

Du gibst die Kraft. Aus dir strömt sie.
Gib sie denen, die müde sind,
die erschöpft sind von Corona,
die sich aufreiben in der Sorge für andere,
deren Mut aufgebraucht ist,
die sich fürchten vor dem, was kommt.
Du bist die Wurzel, die trägt.
Erbarme dich.

Du bist der Friede. Du berührst die Herzen.
Verwandle die Hartherzigen,
die Kriegsherren und die Lügner.
Ihr Gift sei wirkungslos, weil du ihre Opfer heilst.
Du bist das Glück für die Schwachen.
Erbarme dich.

Du bist die Liebe. Du machst alles neu.
Du bleibst.
Bleib bei den Trauernden, Christus,
bei den Kranken und Einsamen
und bei den Liebenden,
denn ohne dich verlieren sie sich.
Du Liebe, sprich zu uns,
zu deiner Gemeinde und zu deiner weltweiten Kirche.
Bleib bei uns und stärke unseren Glauben.

Christus, ohne dich können wir nichts tun.
Du bist der Weinstock.
Erbarme dich heute und alle Tage, die kommen.
Amen.

 

Segen

Gott segne dich und behüte dich.
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Gott erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden

Montag, 15.11.2021

Kleidersammlung für Bethel

In der Zeit vom 11. November bis 15. November 2021 findet in unserer Gemeinde wieder die jährliche Kleidersammlung für die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel statt. ... weiterlesen