Melanchtongemeinde Malsch

Lesepredigt zum Sonntag Trinitatis

von Pfarrer Claudius Zeller
07. Juni 2020

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Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Am Sonntag Trinitatis feiern wir das Fest der Dreieinigkeit Gottes – einer theologischen Idee, die schwierig ist und doch viel über das Wesen Gottes aussagt. Gott ist umfassender, als ein Mensch begreifen kann. Aber er lässt sich auf eine Geschichte mit den Menschen ein und offenbart ihnen mit der Zeit immer mehr von sich: Als Vater erwählt sich Gott ein Volk, als Sohn kommt er allen Menschen zum Heil. Schließlich bezieht Gott in jedem einzelnen Wohnung: als Begeisterung, als Tröster und als Liebeskraft. Gott ist reine Beziehung. Niemand ist von seiner Gegenwart ausgeschlossen. Gott kann und will nicht für sich sein. Ein Ausdruck dafür ist seine Dreieinigkeit.


Psalm 113 – in moderner Übertragung

Ich habe dich angesprochen
und dich bei deinem Namen genannt.

Du bist kein fremder Gott, verflüchtigt im dunklen All.
Aus der Unendlichkeit her
hast du dich den Menschen bekannt gemacht.

Darum wollen wir deinen Namen auf unseren Lippen tragen
vom ersten bis zum letzten Atemzug,
vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang.

Wir wollen dein Lob verbreiten in allen Häusern und Hütten.
Du verbindest dich mit uns Menschen,
ohne dich in uns zu verlieren.

Deine Güte reicht so weit der Himmel ist,
ohne dass sie jemals endet.
Wer gleicht dir hier auf Erden?

Der ist sein Ebenbild,
der sich um die Armen kümmert
und ihnen unter die Arme greift;

der sie aufhebt, wenn sie gefallen sind
und ihnen die Tränen trocknet.
Wer gleicht dir hier auf Erden?

Der ist dein Geschöpf,
der neues Leben schafft wie eine Mutter
und es behütet vom ersten Tage an;

der die Liebe an die erste Stelle des Lebens setzt
und Gottes Freundlichkeit ausstrahlt.

(Hanns Dieter Hüsch / Uwe Seidel)

 

Schriftlesung: 4. Mose 6,22-27

Und der HERR redete mit Mose und sprach:
Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich:
So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne

 

Lesepredigt

„Bleiben Sie gesund“, das hört man zurzeit öfter als sonst. „Corona“ hat uns gezeigt: wir sind– egal in welchem Alter – gefährdet, jedenfalls nicht gefeit gegen ein solches Virus.
Irgendwo, ganz weit im Hinterkopf, war uns zwar bewusst, dass keiner von uns unsterblich ist und Gesundheit nicht auf alle Zeit gepachtet werden kann. „Gesundheit“ – das war ein Thema für Senioren und „Risikogruppen“. Aber jetzt ist das anders.
„Bleiben Sie gesund“, das ist fast wie ein Segenswunsch. Denn – wie soll man das schon „machen“: gesund bleiben? Gesundheit kann man ja nicht befehlen. Ein Imperativ ist da im Grunde fehl am Platz. Es bleibt ein Wunsch. Dazu ein Wunsch, den ich niemandem erfüllen kann.
„Pfüati“ – heißt es im bayrischen Dialekt. Die Abkürzung für das hochdeutsche: „Behüt dich Gott“. Da ist – unausgesprochen – der „Urheber“ noch mitgedacht: Behüten, mit Gesundheit segnen, das kann nur Gott.
Für viele Gottesdienstbesucher und -besucherinnen ist darum der Segen fast das Wichtigste. Für sie ist es mehr als eine liturgische Formel am Schluss des Gottesdienstes. Für sie ist es „Segen to go“ – Segen zum Mitnehmen, ein Zuspruch für die neue Woche.

Der Segen am Ende des Gottesdienstes ist älter als jeder christliche Gottesdienst. Er ist schon weit über 3.000 Jahre alt! Erstmals geschah dies am Ende eines feierlichen Gottesdienstes, bevor das Volk der Israeliten vom Sinai aufbrach. Mose hatte seinen Bruder Aaron und dessen Söhne beauftragt, ihn in Gottes Namen über dem Volk Israel auszusprechen.
„Der Herr segne dich“ – Du wirst gesegnet. Das „Du“ meint Gottes erwähltes Volk Israel. Doch auch wir und jeder und jede Einzelne sind gemeint. Das ist bei unserer Taufe geschehen. Da wurden wir mitaufgenommen in das Volk Gottes. Wir wurden mit dem Kreuz seines Sohnes gezeichnet und jedem von uns wurde zugesagt: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! Das Wort „segnen“ kommt aus dem Lateinischen: „signare“. Wir kennen das vom Fremdwort „signieren", „mit einem Zeichen versehen“. Wann und wo immer wir gesegnet werden, werden wir mit dem Kreuz, dem Zeichen Jesu Christi signiert.

Früher zeichnete man die Schafe mit den Anfangsbuchstaben ihrer Besitzer. So wussten die Hirten immer, wem das einzelne Schaf gehörte. Genauso empfangen wir im Segen das Eigentumszeichen Gottes! Ein Gesegneter gehört Gott – zu seinem Macht- und Wirkungsbereich, ins Kraftfeld seiner Liebe. Dieser Segen gilt: ohne Vorbedingung, ohne Vorleistung.
Das Wort „segnen“ kann im Neuen Testament auch anders übersetzt werden: Im griechischen Urtext des Neuen Testaments steht da, wo wir „segnen“ lesen: „Das gute Wort sagen.“ Segnen – das geschieht, wo Gottes „gutes Wort“, wo seine Liebe weitergesagt wird. Und das muss nicht immer mit Worten geschehen: Segnen, das tun Eltern am Abend am Kinderbett. Das tun Ehrenamtliche in der Gemeinde – diese ist dann „gesegnet“ mit vielen Engagierten.

Der HERR segne dich und behüte dich.
Damit gehen wir einen Schritt aus der Kirche hinaus. Aus der Gemeinschaft unter Gottes Wort hinaus in den Alltag, in die Einsamkeit und Gemeinsamkeiten dieser Welt. Nach Hause, in unseren Alltag als Single, oder in unsere Partnerschaft oder in unsere Familie. Wir gehen an unseren Arbeitsplatz oder nach den Ferien in die Schule – auf die sich derzeit ausnahmslos viele freuen. Überall warten Aufgaben auf uns, aber auch kleine und große Sorgen und Nöte. Oft fragen wir uns da, ob und wie wir sie meistern werden. Wie gut, wenn dir und mir dann am Sonntag für die neue Woche zugesprochen wird:
Der HERR behüte dich!

Gottes Hand reicht weiter als nur bis an die Kirchentür! Er geht mit uns. Von ihm signiert mit dem Zeichen des Kreuzes brauchen wir nicht zu resignieren oder gar zu verzweifeln. Wir sind behütet!
Anders als beim Wunsch „Bleiben Sie gesund“, schließt der Segen das Scheitern, das Krankwerden nicht aus. Der Segen ist keine Versicherung gegen Krankheit oder Unfall. Dieser Segen gilt in allen Zeiten: den guten und den schweren.

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.
Von der Kindererziehung weiß man, wie wichtig das strahlende Gesicht von Mutter oder Vater oder von anderen vertrauten Menschen ist. Auf die Frage „Welchen Satz möchtest du gerne von deinen Eltern hören“, gaben unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden zur Antwort: „Das hast du gut gemacht!“, „Ich bin stolz auf dich!“, „Ich hab dich lieb!“ – jedes Kind, jeder Jugendliche, jeder Mensch braucht dieses Strahlen. Braucht ein Lob, wenn etwas gelingt. Das baut auf und spornt an. Da wird man „einen Kopf größer“.
Gottes Angesicht leuchtet über seiner Gemeinde, seinen geliebten Kindern. Manchmal fällt das Licht der Abendsonne durch das hintere Kirchenfenster von Emil Wachter und lässt den Altarraum und das Jesuskreuz unserer Kirche in leuchtenden Farben erstrahlen. Wie ein Zeichen dafür, dass Gottes Angesicht leuchtet über jeden, der und jede, die in Christus ein  Kind Gottes ist. Jesus ist das uns zugewandte, voller Liebe leuchtende Antlitz Gottes. In ihm leuchtet Gott über uns wie ein „glühender Backofen voller Liebe“, wie Martin Luther gesagt hat.

Der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
In diesen „kontaktlosen“ Zeiten merken viele, wie wichtig so alltägliche Gesten wie der Handschlag sind. Nun suchen manche nach Ersatz für ein Zeichen bei der Begrüßung: eine erhobene Hand mit den ausgestreckten fünf Fingern ist ein Versuch, mit Abstand „Hallo“ zu sagen.
Auch der Segen ist so ein „Handzeichen“ auf Abstand. Es unterstreicht die Worte, die ja auch so für sich allein reichen würden. Aber mit der Segensgeste wird sichtbar, ja fast spürbar, was mit dem Segen gemeint ist: Dass er sich auf dich und mich lege und Friede werde.
Auf jüdischen Friedhöfen sieht man auf manchen Grabsteinen zwei Hände zur Segensgeste gespreizt. Es ist das Zeichen, dass hier ein Mensch aus dem Priestergeschlecht begraben ist. In der christlichen Tradition sind alle Nachfolger und Nachfolgerinnen dieses Priestergeschlechts. Martin Luther hat darauf in besonders bildhafter Sprache hingewiesen: Alle Christen sind wahrhaft geistlichen Standes, und ist unter ihnen kein Unterschied dann des Amts halben allein. ... Demnach werden wir allesamt durch die Taufe zu Priestern geweiht. ... Was aus der Taufe gekrochen ist, das mag sich rühmen, dass es schon Priester, Bischof und Papst geweiht sei, obwohl es nicht jedem ziemt, dieses Amt auch auszuüben.
Segnen dürfen alle Christen, auch mit der Segensgeste, den erhobenen Händen und den offenen Händen. Die offenen Hände des Segnenden sagen dabei bildhaft: „Ich habe euch nichts zu geben. Der Segen kommt allein von Gott!“

Mindestens 4 Meter sollte der Abstand zwischen dem Liturg, der Liturgin und der Gemeinde in diesen Zeiten sein. Da kann man schon fast von „Fern-Segen“ reden. Dennoch: Der Segen wirkt auch auf diese Distanz. Ja, der Segen erreicht sogar die, die gar nicht da sind: Die ganze Gemeinde. Denn im Gottesdienst wird eine besondere Form des Segens gewählt. Der sogenannte „Aaronitische Segen“, wie er uns in der Bibel überliefert ist, steht im Singular: Der Herr segne dich und behüte dich …
Im Gottesdienst aber lautet der Segen fast unmerklich anders. Der Segen hier wird im Plural formuliert: Der Herr segne euch und behüte euch …
Es geht nicht nur um mich. Gesegnet werden auch die Menschen neben, vor und hinter mir Wir sind gesegnet als Einzelne und als Gemeinschaft. Und der Segen reicht weiter als die Segenshand, weiter als der Blick der Segnenden, weiter als der Kirchenraum, weiter als die Grenzen der Ortsgemeinde. Der Segen reicht „urbi et orbi“ – für die ganze Stadt und den Erdkreis.
So unbeschreiblich groß ist der Segen des dreieinigen Gottes! Deshalb können wir ihn gar nicht oft genug für uns selber hören oder ihn an andere weitergeben:
Der HERR segne dich und behüte dich;
der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Amen.

 

Lied: NL 118 Der Herr segne dich

Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir,
und der Herr sei dir gnädig!
Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht,
tiefer Friede begleite dich.

1. Ob du ausgehst oder heimkommst, ob du wach bist oder schläfst,
sei gesegnet und gestärkt durch seinen Geist.
Ob du in das Tal hinabgehst oder Berge vor dir stehn,
mögest du den nächsten Schritt in seinem Segen gehn!

2. Ob die Menschen, die du liebst, dies erwidern oder nicht,
sei ein Segen durch die Gnade deines Herrn.
Ob die Träume, die du träumtest, noch verheißungsvoll bestehn
oder längst schon nicht mehr für dich wie ein Traum aussehn.
Friede mit dir! Friede mit dir!

Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir,
und der Herr sei dir gnädig!
Er erhebe sein Angesicht über dich und erfülle dein Herz mit seinem Licht,
tiefer Friede begleite dich.

Text und Melodie: Martin Pepper 2000. © 2000 mc peppersongs, Berlin


Fürbittengebet

Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie Gemeinschaft gelingt
und sei mit deinem Segen in dieser Welt,
die zerrissen ist, zerstritten, geschändet,
gequält von Hass und Gewalt.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, wie wir einander verstehen
und sei mit deinem Segen bei denen,
die gegen Hass und Gewalt demonstrieren.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, Versöhnung zu suchen
und sei mit deinem Segen bei denen,
die sich der Gewalt verweigern und Brücken bauen.

Du dreieiner Gott,
lehre uns, barmherzig zu sein
und sei mit deinem Segen bei den Kranken und Sterbenden
und bei denen, die sie pflegen und ihnen beistehen.

Du dreieiner Gott,
lehre uns zu glauben
und sei mit deinem Segen in deiner weltweiten Kirche,
in unserer Gemeinde, bei unseren Freunden und Familien.

Du dreieiner Gott,
du bist die Quelle, du bist das Leben,
bei dir ist Frieden.
Dir vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.

Vater unser …


Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

Montag, 15.11.2021

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