Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den 1. Sonntag nach Epiphanias

von Pfarrer Claudius Zeller

10.01.2021

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Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. 

 

Der 1. Sonntag nach Epiphanias ist der Sonntag der Taufe Jesu.
Die Geburt im Stall war nicht nur ein Traum. Die Geschichte Jesu ging weiter.
Bei seiner Taufe wird es deutlich: Dieser ist erfüllt von Gottes Geist.

Lied 74

1. Du Morgenstern, du Licht vom Licht, das durch die Finsternisse bricht,
du gingst vor aller Zeiten Lauf in unerschaffner Klarheit auf.

2. Du Lebensquell, wir danken dir, auf dich, Lebend'ger, hoffen wir;
denn du durchdrangst des Todes Nacht, hast Sieg und Leben uns gebracht.

3. Du ewge Wahrheit, Gottes Bild, der du den Vater uns enthüllt,
du kamst herab ins Erdental mit deiner Gotterkenntnis Strahl.

Text: Johann Gottfried Herder (vor 1800), nach 1817 bearbeitet
Melodie: Steht auf, ihr lieben Kinderlein (Nr. 442)

Psalm 89

Ich will singen von der Gnade des Herrn ewiglich
und seine Treue verkünden mit meinem Munde für und für;

denn ich sage: Für ewig steht die Gnade fest,
du gibst deiner Treue sicheren Grund im Himmel.

Ich habe einen Bund geschlossen mit meinem Auserwählten,
ich habe David, meinem Knechte, geschworen:

Ich will deinem Geschlecht festen Grund geben auf ewig
und deinen Thron bauen für und für.

Wohl dem Volk, das jauchzen kann!
Herr, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln;

sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein
und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein.

Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke,
und durch deine Gnade wirst du unser Haupt erhöhen.

Schriftlesung: Matthäus 3,13-17

Jesu Taufe
Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes,
dass er sich von ihm taufen ließe. Aber Johannes wehrte ihm und sprach:
Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?
Jesus aber antwortete und sprach zu ihm: Lass es jetzt zu!
Denn so gebührt es uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er’s ihm zu.
Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald herauf aus dem Wasser.
Und siehe, da tat sich ihm der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes wie eine Taube herabfahren und über sich kommen. Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

Lesepredigt 

Liebe Gemeinde,
inzwischen zeigt ein Blick auf die Krippe: Die Könige sind angekommen.
Sie haben Gold, Weihrauch und Myrre gebracht. Goldglanz und Himmelslicht.
Die Lieder singen vom Morgenstern, der aufgegangen ist, Licht vom Licht.
Wir wollen die Weihnachtszeit auskosten und versuchen uns trotzig zu wehren
gegen das schnelle Abräumen von Baum und Krippe, kaum dass die Festtage vorbei sind. Wir wollen die Weihnachtszeit auskosten, aber das neue Jahr hat begonnen, zehn Tage nur,
aber der Alltag der Welt hat uns längst wieder im Griff.
Die Zahl von Covid-Patienten steigt. Die Intensivbetten werden knapper. In den USA erstürmen fanatische Trump-Anhänger das US-Parlament und treten die Demokratie mit Füßen. Schwer hat es das Licht der Krippe.
Und doch versuchen wir in dieser Zeit, der Epiphaniaszeit, zu realisieren,
was dort in Bethlehem geschah. Es will nach und nach deutlicher, heller, klarer werden.
Es will sich zeigen, dass das Himmelslicht hineinleuchtet in Alltagsgrau und bedrohliche Aussichten. Es will sich zeigen, wer das Kind in der Krippe für uns sein will.
Noch haben wir die Krippe vor Augen.
Und dann stehen wir unvermittelt an den Ufern des Jordans.
Wasser und Schilf, abseits der Stadt. Unmittelbar hinter dieser Landschaft lauert die Wüste. Aber hier ist das Wasser. Frisches Wasser. Reinigendes Wasser.
Es soll wegspülen, was sich an Unrat und Dreck, an dem ganzen Geröll, an Schuld und Versagen angesammelt hat. So jedenfalls wird es der ungestüme Mann gesehen haben,
der an den Ufern des Jordans predigte und jeden, der es wollte, in die Wasser hinabtauchte. Ich wasche das Alte ab, wenn ich euch in den Jordan tauche. Taufwasser.
Johannes, der Täufer. Da steht einer für seine Überzeugungen ein.
Er sagt: Eine andere Welt ist möglich. Eine Welt mit Gott.
Aber ihr müsst umkehren. Müsst Buße tun. Müsst euch aus den alten Verstrickungen lösen. Die herrschenden Strukturen überwinden.
Johannes sieht. Er sieht, wie die Sünde nicht nur die Seele verdirbt, sondern die ganze Welt. Er sieht das Ende des Weges.
Er sieht das Ende der Menschheit, die ihren eignen Untergang ins Werk setzt.
Er sieht eine Welt, die sich mit Feuer bedroht, im Feuer untergehen.
Er sieht, wie den stolzen Bäumen, die doch in den Himmel wachsen,
die Axt schon an die Wurzel gelegt ist.
Er sieht den Himmel, gegen den sich die Erde empört, über der Erde zusammenstürzen. Böse Menschen, böser Himmel. Er leuchtet schon im Feuerschein des Gerichts.
Kein Zweifel, der Mann wirkt anziehend. Einer der lebt, was er sagt.
Er widerspricht selbst dort, wo der Widerspruch gefährlich wird.
Er ist authentisch, würden wir heute sagen.
Der Führer einer religiösen Erweckungsbewegung.
Menschen strömen zu ihm. Was erhoffen sie sich?
Sie versprechen sich die rettende Ausnahme vom Gericht.
Die letzte Chance, dem schrecklichen Ende zu entrinnen.
Johannes ist der letzte Hoffnungsträger in einem ansonsten hoffnungslosen Weltenfall.
Er tauft. Mit Wasser. Und er kündet den anderen Täufer an.
Den Richter der Welt, der nah ist. Der wird mit Feuer taufen.
Viele kommen zu ihm. Auch Jesus stellt sich hinten an, reiht sich ein in die vielen.

„Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den Jordan zu Johannes,
dass er sich von ihm taufen ließe.“

Die Uferlandschaft, das Wasser, der Himmel. Menschen, viele Menschen.
Weit geht der Blick übers Jordantal hinaus bis zum Himmel.
Und dann scheint es, als zoome eine Kamera ganz nah heran.
Auf zwei Menschen. Jesus und Johannes.
Die Taufen kommen ins Stocken. Johannes wehrt sich.

„Ich bedarf dessen, dass ich von dir getauft werde, und du kommst zu mir?“

Da steht der, den Johannes als Weltenrichter erwartet hat, plötzlich vor ihm.
Johannes erkennt ihn sofort. Woran? Wir erfahren es nicht.
Aber nun steht er da wie einer von uns. Steht da wie ein Sünder unter Sündern.
Da steht er in den Wassern des Jordans, der Heilige unter den Unheiligen.
Das macht keinen Sinn. Das kann ich nicht machen.
Kann ich, darf ich, soll ich? Schon im Alltag haben wir damit Probleme.
Da kommt einer mit mehr Kompetenzen, mehr Schneid, mehr Erfahrung,
und dann soll ich die Aufgabe übernehmen? Kann der das nicht besser?
Zweifel an den eigenen Fähigkeiten, an den eigenen Möglichkeiten.
Die hat doch mehr drauf. Und dagegen ich?
Das geht doch nach Hierarchie, nach oben und unten, wie soll ich da?
Wir kennen das Zögern, die Selbstzweifel, die Selbstentwertung,
die so schnell sich einschleicht und mich selbst zum Niemand erklärt.
Das ist vertraut. Schmerzlich vertraut. Und sinnlos. Aber nun ja. Was macht schon Sinn?
Da steht einer vor Johannes, einer, von dem Johannes glaubt, er würde mit Feuer kommen, mit verzehrendem Feuer und alles hinwegfegen, was sich dem Heiligen nicht beugt.
Da kommt einer, von dem er das Feuer erwartet und tritt ins Wasser. Wasser löscht Feuer. „Ich bin das Wasser des Lebens“, wird er später beim Evangelisten Johannes sagen. Wasser löscht Feuer. Das Feuer des Gerichts geht im Wasser unter.
Vom Himmel her kommt eine andere Botschaft.
Der Himmel. Seit der Mensch aufrecht geht, richtet er den Blick in den Himmel.
Mal ängstlich, mal erwartungsvoll.
Was sagt er uns, der Himmel? Sagt er uns überhaupt noch was?
Abgesehen vom Wetter, das mal so mal so dem Himmel seinen Ausdruck verleiht.
Oder doch noch immer Sehnsuchtsort? Hoffnungsort?

In dem Zyklus „Die Geschichte der Wolken“ von Hans Magnus Enzensberger heißt es: „Gegen Streß, Kummer, Eifersucht, Depression empfiehlt sich die Betrachtung der Wolken…. Ihre hohen Wanderungen sind unaufhaltsam. Es kümmert sie nichts. Wahrscheinlich glauben sie an die Auferstehung, gedankenlos glücklich wie ich, der ihnen auf dem Rücken liegend eine Weile zusieht… Ja, es empfiehlt sich bei Müdigkeit, Wut, Verzweiflung, die Augen gen Himmel zu wenden.“

Behutsam formuliert Enzensberger das Mehr, das der Himmel verspricht.
Eine Ahnung von Transzendenz,
von dem, was nicht aufgeht in Wissenschaft und Zweckrationalität.
Eine Hoffnung, dass jenseits der harten Fakten vom Himmel mehr zu erwarten und zu erfahren ist.
Eine Leichtigkeit, eine Freiheit, „gedankenlos glücklich“.
Vom Himmel hoch, da komm ich her, singen die Engel,
und der Blick der Hirten geh nach oben.
Lass es jetzt zu, ermutigt Jesus Johannes.
Und der Himmel öffnet sich, als Jesus von Johannes die Taufe empfängt.
Und aus dem geöffneten Himmel steigt der Geist im Symbol der Taube herab.
In Gestalt jenes Tieres, das seit Noahs Zeiten neues Leben verheißt:
Neues Leben, auf einer aus den Wassern der Flut wieder aufsteigenden Erde.
Der Himmel öffnet sich, Bewegung entsteht, Berührung,
der Geist, der auf Jesus herabkommt.
Der Himmel reißt zwar auseinander,
aber in ganz anderer Weise als von Johannes vorhergesehen.
Nicht um über der Erde zusammenzubrechen,
sondern um den Geist Gottes mit dem Menschen Jesu zu vereinen.
Vom Himmel her wird die Erde nicht mehr mit Feuer bedroht.

Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel sprach:
„Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Daran hat er Wohlgefallen, dass dieser Sohn unter die Menschen tritt.
Unter die Sünderinnen und Sünder, die Geplagten und Verstörten,
unter die Menschen, die so viele Fragen haben und so wenig Antworten.
Die ratlos sind. Die Angst haben vor dem Tod und dem, was danach kommt.
Die sich vor der Einsamkeit fürchten und vor Zurückweisung.
Er tritt unter die, die weinen und sich nicht vorstellen können, dass jemand sie liebt.
Er tritt unter uns.
Er tritt unter die, die es zulassen, dass die Gerechtigkeit Gottes in ihrem Leben wirkt.
Lass es jetzt zu!
Die wir versuchen zu begreifen, was dies heißt,
getauft zu sein und die Gerechtigkeit Gottes zu erfüllen.
Und die ihr Leben lang versuchen, dieses Gnadenwort zu begreifen:
Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter.
Mein Geist ruht auch auf dir.
Will dich herausreißen aus Seelenangst und Schuldverstrickung.
Der Himmel hat sich auch über dir geöffnet.
Strahlen des Lichts fallen auf dein Gesicht. Amen.

Lied 410

1. Christus, das Licht der Welt. Welch ein Grund zur Freude!
In unser Dunkel kam er als ein Bruder.
Wer ihm begegnet, der sieht auch den Vater.
Ehre sei Gott, dem Herrn!

2. Christus, das Heil der Welt. Welch ein Grund zur Freude!
Weil er uns lieb hat, lieben wir einander.
Er schenkt Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen.
Ehre sei Gott, dem Herrn!

3. Christus, der Herr der Welt. Welch ein Grund zur Freude!
Von uns verraten, starb er ganz verlassen.
Doch er vergab uns, und wir sind die Seinen.
Ehre sei Gott, dem Herrn!

Text: Sabine Leonhardt/Otmar Schulz 1972 nach dem englischen »Christ is the world's light« von Frederick Pratt Green 1968

Melodie: Paris 1681

Fürbittengebet

Zeige uns deinen Willen,
treuer und barmherziger Gott,
damit das Gute stark wird,
damit die Liebe wächst,
damit die Freude zurückkehrt.
Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen denen,
die mächtig sind.
Öffne ihre Augen für die Verzweiflung der Schwachen.
Berühre ihre Herzen,
damit denen geholfen wird,
die ihren Lebensmut verlieren.
Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen denen,
die das Gute suchen.
Hilf ihnen, das zu tun, was nötig ist.
Hilf denen, die sich für andere verausgaben,
die Kranke pflegen,
die Verunsicherten beistehen
und die Trauernde trösten.
Wir bitten dich: Erhöre uns.

Zeige deinen Willen allen,
die nach dir fragen.
Sprich zu denen,
die in diesen Tagen voller Zweifel sind
und auch zu denen, die an dir festhalten.
Deine Liebe verbinde uns,
damit wir sie in dieser Welt weitergeben.
Wir bitten dich: Erhöre uns.

Vater unser …

Lied 74

4. Bleib bei uns, Herr, verlass uns nicht,
führ uns durch Finsternis zum Licht,
bleib auch am Abend dieser Welt
als Hilf und Hort uns zugesellt.

Text: Johann Gottfried Herder (vor 1800), nach 1817 bearbeitet
Melodie: Steht auf, ihr lieben Kinderlein (Nr. 442)

 

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

 

 

Montag, 09.11.2020

Kleidersammlung für Bethel

In der Zeit vom 09. November bis 13. November 2020 findet in unserer Gemeinde wieder die jährliche Kleidersammlung für die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel statt. ... weiterlesen