Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den Sonntag Sexagesimae

von Pfarrer Claudius Zeller

07.02.2021

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Eingangswort
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich begrüße Sie herzlich zum Lesegottesdienst am Sonntag Sexagesimae.
Der Name kommt aus dem Lateinischen und bedeutet sechzig.
Es sind nämlich rund 60 Tage bis zum Osterfest.
Das Wort Gottes und seine Wirkung stehen im Zentrum dieses Sonntags.
Manchmal ist es scharf, schmerzhaft und trennend wie ein Schwert,
dann wieder scheint es nicht zu wirken, setzt sich aber fest und wächst im Stillen.

Lied 166

1. Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein;
ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!
Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.

2. Ich bin, Herr, zu dir gekommen, komme du nun auch zu mir.
Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier.
Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.

4. Mache mich zum guten Lande, wenn dein Samkorn auf mich fällt.
Gib mir Licht in dem Verstande und, was mir wird vorgestellt,
präge du im Herzen ein, lass es mir zur Frucht gedeihn!

 

Psalm 119

HERR, dein Wort bleibt ewiglich, so weit der Himmel reicht; *
deine Wahrheit währet für und für.

Du hast die Erde fest gegründet, *
und sie bleibt stehen.

Nach deinen Ordnungen bestehen sie bis heute; *
denn es muss dir alles dienen.

Wenn dein Gesetz nicht mein Trost gewesen wäre, *
so wäre ich vergangen in meinem Elend.

Dein Wort ist meinem Munde *
süßer als Honig.

Dein Wort macht mich klug; *
darum hasse ich alle falschen Wege.

Dein Wort ist meines Fußes Leuchte *
und ein Licht auf meinem Wege.

Erhalte mich nach deinem Wort, dass ich lebe, *
und lass mich nicht zuschanden werden in meiner Hoffnung.

Lesung: 2. Petrus 1,16-19

Das Bibelwort für den heutigen Sonntag steht im Lukasevangelium, Kapitel 8:

Als nun eine große Menge beieinander war und sie aus jeder Stadt zu ihm eilten, sprach er durch ein Gleichnis: Es ging ein Sämann aus zu säen seinen Samen. Und indem er säte, fiel einiges an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel fraßen’s auf. Und anderes fiel auf den Fels; und als es aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte. Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen gingen mit auf und erstickten’s. Und anderes fiel auf das gute Land; und es ging auf und trug hundertfach Frucht. Da er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

 

Lesepredigt

Liebe Leserin, lieber Leser,
Jesus erzählt ein Gleichnis.
Seine Worte riechen nach Erde.
Sie riechen nach Wind und kühlem Morgen und ein wenig süß,
so wie der Frühling riecht.
Seine Worte schmecken nach dem Brot,
das aus den Samenkörnern wird.
Jesus erzählt ein Gleichnis.
Ein Sämann ging aus, zu säen seinen Samen.
Ich habe niemals einen Sämann gesehen, wie er den Samen aussät.
Und doch ist das Bild mir so vertraut, steht so deutlich vor meinen Augen,
als hätte ich ihn schon oft gesehen, den Sämann.
Als hätte die Erfahrung der Menschen vor mir
das Bild in meiner Seele abgelegt.
Ein Sämann ging aus, zu säen seinen Samen.
Lassen Sie uns erst einmal auf die Samenkörner schauen.
Der Samen, das bin ich.
Das sind Menschen und ihr Leben.
Wie Samenkörner streut Gott sie über die Zeit aus.
Manche haben Glück. Da scheint alles zu stimmen.
Richtige Zeit, richtiges Land,
richtige Bedingungen, um wachsen zu können
und selbst etwas zurückzugeben.
Manche haben es schwer.
Die Bedingungen ihres Lebens sind so hart, so widrig und dornig,
dass sie nicht so werden können, wie sie eigentlich gemeint sind.
Sie gehen verloren in unserer Welt, weil sie keine Chance hatten.
Kinder, die mit fünf sterben, weil es da, wo sie leben,
keine Medikamente gibt, um sie gesund zu machen.
Erwachsene, die beim Aufwachsen
nie Liebe und Bestätigung erlebt haben
und darum auch nichts davon geben können.
Menschen, in denen die Erfahrung von Gewalt und Hass
die Menschlichkeit erstickt hat.
Die gehen verloren. Sie haben keine Chance.
Gemeint ist es nicht so, vom Sämann.
Das Samenkorn ist ein gutes Samenkorn. Es könnte wachsen.
Es könnte wachsen, wenn man es nur ließe.
Wenn die Bedingungen, die wir Menschen
miteinander und füreinander schaffen in dieser Welt,
andere wären.
Wenn sie gutes Land böten für jedes Leben,
das wachsen will und zu wachsen beginnt.
Aber so ist es nicht. Manche haben keine Chance.
Da wird das Gleichnis mir unheimlich.

Aber noch eine andere Deutung ist möglich:
Der Samen ist unser Handeln.
Was wir tun, geht wie ein Samenkorn in die Welt hinaus.
Nicht immer findet das Samenkorn gute Bedingungen,
um wachsen zu können.
Aber gesät wird trotzdem.
In diesen Tagen begegnen mir Eltern, die sich Sorgen machen,
ob sie alles richtig machen mit ihren Kindern.
Ob sie alles tun, damit die Kinder gutes Land haben,
auf dem ihr Leben wachsen kann.
In der Sorge schwingt auch die Überforderung mit.
Aber Eltern werden nicht zu Eltern, weil sie alles richtig machen.
Eltern sind Eltern mit den Fehlern, die sie gemacht haben
und die so unvermeidlich dazugehören,
wie der Wind unvermeidlich das Samenkorn davonträgt.
Unsere Aufgabe ist nicht, alles richtig zu machen.
Unsere Aufgabe ist, unsere Kinder zu lieben.
Wie viel Wüste, Brachland und Gestrüpp verwandelt sich in gutes Land,
wenn wir nur das vermögen.
Wie viel Aufatmen ermöglicht das Gleichnis da.

Noch eine dritte Deutung gibt es:
Der Samen, das ist Gottes Wort.
Gottes Wort, das in diese Welt fällt, in sie hineinschallt.
Von Menschen weitergetragen wird
wie Samenkörner, die der Wind in alle Himmelsrichtungen weht.
Auch wir streuen es aus, dieses Wort.
In den Gottesdiensten im Fernsehen und im Internet,
in den Kurzandachten im Radio, beim Lesen der Tageslosung
geben wir ihm Raum und nehmen es mit in unseren Alltag.
Wenn jemand vom Besuchsdienstkreis einen Besuch macht,
verbirgt es sich in den Segenswünschen.
Nicht immer muss Gottes Name ausgesprochen werden,
und sein Wort ist dennoch da,
wie ein Geheimnis, das zwischen den Worten leuchtet.
Wenn wir einander Mut machen in dieser schweren Zeit,
sprechen wir auch von dem Gott, der Halt ist und Schutz.
Im Kindergarten, imReligionsunterricht in der Schule, im Konfi-Kurs
erzählen wir die Geschichten der Hoffnung weiter.
Hier entlastet das Gleichnis.
Wir wissen nicht, ob etwas von der Guten Nachricht,
die wir ausgesprochen oder unausgesprochen ausrichten,
sich einwohnen wird und Wurzeln gräbt.
Wird etwas bleiben von der Arbeit,
die wir mit Kindern und Jugendlichen tun?
Wird etwas von unserem Bemühen ihre Lebensläufe dauerhaft prägen?
Wir säen. Das andere können wir getrost in andere Hände legen.
Der Samen, das ist Gottes Wort. Es fällt auch in mein Leben.
Mahnend, was ich denn tue angesichts derer,
die im Gestrüpp und zwischen den Dornen des Lebens verloren gehen.
Wort, das hineinspricht in meine Sorgen, ob ich den richtigen Weg wähle.
Selten können wir die Konsequenzen unseres Handelns überblicken.
Immer wieder werde ich mich schuldig machen
mit dem, was ich tue, und dem, was ich lasse.
Gerade darum brauche ich so nötig das Wort, das befreit:
Du bist ein Samenkorn.
Alles, was du brauchst, hat Gott in dich hineingelegt.
Du kannst wachsen. Du kannst leben.

Aber schauen wir jetzt von den Samenkörnern weg.
Schauen wir auf den Sämann.
Immer habe ich mich über diesen Sämann gewundert.
Kann er nicht ein bisschen genauer säen, habe ich mich gefragt.
Ein bisschen sorgfältiger, damit mehr Samenkörner auf gutes Land fallen?
Doch der Sämann sät. Er sät zwischen die Dornen.
Vielleicht denkt er daran, dass immer wieder das Wunder geschieht:
Blüten entstehen, Blüten inmitten der Dornen.
Inmitten lebensfeindlicher Umgebung wächst etwas Schönes,
da, wo niemand es erwartet.
Er sät auf den Felsen.
Manchmal leben Menschen auf ganz dünnem Lebensboden.
Wenig Fülle, wenig Liebe, wenig Ressourcen.
Aber sie wachsen und behaupten sich gegen alle Widerstände,
finden ihren Platz zur Entfaltung wider alle Prognosen.
Resilienz nennen die Psychologen diese Fähigkeit,
inmitten widriger Umstände Kraft zu entwickeln und zu bestehen.
Er sät auf den Weg.
Wenn ich die Treppe zu unserer Kirche hochsteige,
bewundere ich den Löwenzahn,
der die kleinste Ritze zwischen den Steinen nutzt, um zu wachsen.
Trotzig und widerständig leuchten da, wo nichts wachsen kann,
seine gelben Blüten.
Der Sämann sät auch da,
wo Weg, Dornen und Felsen Grundlage des Lebens ist.
Er sät auch da, wo die Sorgen wie große schwarze Vögel sind,
die die Freude wegpicken.
Er sät auch da, wo die Grenzen des Möglichen ganz eng gesteckt sind.
Er sät auch da, wo Gleichgültigkeit und Achtlosigkeit
den Nährboden zu vergiften drohen.
Auch da sät er Liebe und Güte. Auch da sät er sein Wort.
Fürchte dich nicht. Du kannst leben. Du kannst wachsen.

Wir haben auf die Samenkörner geschaut. Dann auf den Sämann.
Tröstliches und Mut machendes war da zu finden.
Aber es bleibt die Zumutung: Es geht immer etwas verloren.
Gottes Wort kommt nicht immer an.
Unser Handeln erreicht nicht immer sein Ziel.
Menschen gehen verloren,
erstickt in den Dornen und dem Gestrüpp des Lebens
und weil kein guter Boden da ist, damit sie wachsen können.
Schauen Sie darum mit mir auf den, der das Gleichnis erzählt:
Als nun eine große Menge beieinander war
und sie aus jeder Stadt Jesus eilten, sprach er durch ein Gleichnis.
An anderer Stelle greift Jesus das Bild des Samenkorns auf
und spricht dabei über sich selbst:
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein;
wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.
Jesus ist das Samenkorn Gottes, das verloren geht:
Im Gestein verloren Gottes Samenkorn.
Es stirbt in der Erde, aber sein Tod bringt Frucht, bringt Leben für viele.
Gott lässt sich selbst verloren gehen.
Zwischen den Zeilen,
zwischen den Leerstellen des Gleichnisses, das Jesus erzählt,
höre ich seine Stimme flüstern:
Ich bin gekommen, um zu suchen, was verloren ist.
Er sucht da, wo Sorgen wie schwarze Vögel sind, die die Freude aufpicken.
Er sucht da, wo Menschen versteinern in ihrem Schmerz.
Er sucht da, wo die Dornen das Leben zu ersticken drohen
und die Liebe zuwuchern.
Er sucht da, wo die Überforderung den Glauben an sich selbst raubt.
Da sucht er. Und findet. Auch mich. Amen.

Lied 98

1. Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

2. Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

3. Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Fürbittengebet

Ewiger Gott,
mach uns zu gutem Land,
damit wir mit deinem Wort
diese Welt besser machen.

Gib den Einflussreichen wache Ohren,
damit sie dein Wort hören
und dem Frieden dienen.

Gib den Mächtigen gute Herzen,
damit sie dein Wort tun
und die Last der Schwachen mittragen.

Gib den Klugen barmherzige Hände,
damit sie deine Liebe weitergeben
und die Kranken heilen.

Ewiger Gott,
mach uns zu einem guten Land.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit wir einander beistehen,
damit die Trauernden getröstet werden,
damit die Sterbenden geborgen sind,
damit die Verzweifelten aufatmen,
damit die Geschlagenen freikommen.
Hundertfache Frucht lass wachsen,
damit unsere Kinder eine gute Zukunft haben.

Vater unser …


Lied 171

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden.
Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten,

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen.
Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen.

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch deinen Segen.
Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei um uns auf unsern Wegen.


Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Montag, 15.11.2021

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