Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den Sonntag Estomihi

von Lothar Friedrich

14.02.2021

pdf zum Download

 

Eingangswort

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.
Am Sonntag Estomihi steht die Nachfolge im Vordergrund. Nicht, wer viele große Worte macht, sondern wer sich für Gerechtigkeit einsetzt und beharrlich liebt, der hat den Ruf in die Nachfolge gehört.

Eingangsgebet:

Herr, unser Gott!
Dies ist der Tag, den du gemacht!
Dafür danken wir und bitten,
lass uns zur Ruhe kommen und
unser Versagen vertrauensvoll
vor dich bringen,
damit wir aus der gottesdienstlichen Feier
Frieden und neue Kraft empfangen! Amen.

Wir hören zu Estomihi, dem Sonntag vor der Passionszeit,
Jesaja, 58, 1 – 9

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden“

2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3 „Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst`s nicht wissen?“ Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

 

Lesepredigt

Liebe Gemeinde,
Verzicht und Verschwendung, Falsches und Rechtes Fasten, ist der Inhalt unseres Predigttextes.
Fasten ist gesund. Wer fastet, der erhofft sich eine schlankere Figur und wer Verzicht übt, der steigert seinen Genuss. Wer sich disziplinieren kann, erreicht seine Ziele eher. Es gibt viele Formen des Fastens.
Der Versuch alle Bereiche seines Lebens zu kontrollieren ist verständlich und menschlich. Dieser Versuch ist uralt und lässt sich gut an den religiösen Wurzeln des Fastens nachvollziehen. Dazu passt Jesaja 58, über den Sinn des Fastens zu Beginn der Passionszeit nachzudenken.
Gehen wir nun unseren Predigttext inhaltlich entlang:
Regelmäßige Fastentage sollen das gestörte Verhältnis des Volkes Israel auf eine neue Grundlage stellen. Es ist die Frage, wie das Volk Israel sich künftig des Schutzes seines Gottes sicher sein kann. Damit verbindet sich nämlich die Hoffnung, wie Gott wieder in der Mitte des Volkes präsent sein wird.
In diese Stimmung hinein sendet Gott seinen Propheten, der mit donnernder Kraft der Posaune seine Botschaft verkündigen soll. Im Vergleich zu den heutigen Posaunen ist das hier ein lauter und nerviger Klang. Die Botschaft der Posaune hat es in sich: Der Prophet soll Abtrünnigkeit und Sünde, von Verfehlungen und Vergehen, hinauslärmen.
Im Text ist die Rede von dem Tag, an dem gefastet, den Geschäften nachgegangen und dabei die eigenen Arbeiter bedrückt werden. Nicht gerade ein gerechter Umgang. Dazu wird beim Fasten noch gezankt und mit gottloser Faust dreingeschlagen. Das ist allerdings auch kein überzeugendes Zeichen des Fastens, das von Gott gehört werden soll.

Und soll das ein gottgefälliges Fasten sein, bei dem man sich kasteit und den Kopf hängen lässt? Soll daran der Herr Wohlgefallen haben?
Ein gottgefälliges Fasten bedeutet das Loslassen der Bedrückten.
Die Gesellschaft ist gekennzeichnet in diejenigen, die sich das Fasten leisten können, und andere, die für die Reicheren an den Fastentagen arbeiten müssen. Recht und Gerechtigkeit sehen allerdings anders aus. Entsprechend richtet sich im Text die Kritik an die Oberschicht Israels, die ihre besondere Stellung ausnutzt und die verarmte Unterschicht für sich arbeiten lässt. Dabei stehen uns die Sklaven vor Augen, deren Befreiung der Prophet anregt.
Dabei ist angesagt, dem Hungrigen das Brot zu brechen, die im Elend ohne Obdach sind ins Haus zu führen und einen Nackten zu kleiden. Diese Worte von Jesaja hören sich wie Gottes Zuspruch an.
Wenn also das Fasten so mit Recht und Gerechtigkeit verbunden wird, verheißt Jesaja Gottes Nähe und das aufbrechende Licht der Morgensonne mit der voranschreitenden Heilung.
Unser Kapitel beschreitet nämlich die Gerechtigkeit und die Herrlichkeit des HERRN und in diesem Zug werden alle mitgenommen. So werden die sozialen Gräben überwunden, die zur Zusammenführung von Israel und Gott führen. Das hebelt die gesellschaftliche Realität der Oberschicht aus, das Fasten als Instrument Gott gefügig zu machen.
Genau diese Form des Fastens kritisiert Jesaja lautstark.
Wie gestaltet sich der Text Jesajas in unserem heutigen alltäglichen gesellschaftlichen Leben?
In den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts haben wir in meiner damaligen südbadischen Kirchengemeinde ein Verzicht – Seminar veranstaltet. Das war zur Zeit der Ölkrise. Da bewegte uns Verzicht und Verschwendung in folgenden Fragestellungen:
Wofür fasten Menschen? Warum verzichten sie bewusst auf Genuss? Für die Badezimmerwaage, den Geldbeutel oder um sich selbst zu beweisen? Welche Gründe haben z. B. die 45% der Deutschen, die sieben Wochen lang nicht fernsehen oder keine Plastikverpackungen kaufen, die jeden Tag eine halbe Stunde meditieren oder erst an Ostern wieder Wein trinken? Der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt forderte damals schon einen fernsehfreien Wochentag. Fasten soll nicht einschränken, sondern freimachen. Wer fastet, versucht Zeit und Geld für anderes zu verwenden als für kleinere oder größere Alltagsablenkungen und Abhängigkeiten. Wer verzichtet kann freier werden für Gott und den Nächsten. Im ursprünglichen biblischen und kirchlichen Sinn ist Fasten immer verbunden mit Beten, mit Almosen und mit Werken der Nächstenliebe.

In der Talk Sendung Nachtkaffee des SWR 3 begegnete ein Teilnehmer einer Teilnehmerin, deren Rente über die täglichen Mahlzeiten hinaus, wie z. B. den Kauf einer desolaten Spülmaschine, nicht ausreicht. Der Talk Teilnehmer hat sich daraufhin nach der Sendung mit der Rentnerin in Verbindung gesetzt und ihr spontan für ein Jahr das Mittagessen finanziert und dazu einen Fernseher angeschafft. Die Frau wurde darüber in ihrem hohen Alter überglücklich. Das Schöne und Gute dabei ist, dass sich noch weitere Personen dieser Unterstützung angeschlossen haben.
Ein solches Handeln hat auch sehr viel mit Barmherzigkeit zutun. Der Kirchenvater Basilius der Große (330-379) würde dazu sagen: „Durch die Barmherzigkeit für den Nächsten bist du Gott ähnlich“.
Genau das fordert Jesaja. Nichts Unmögliches, sondern Naheliegendes, den Nächsten ansehen, seine Bedürfnisse wahrnehmen und zupackend helfen mit dem, was dran ist. Teilen, Türen öffnen, sich nicht entziehen und nicht wegsehen. Das kann nicht einer allein für alle tun. Solches geht nur gemeinsam.
Ein Fasten wie Gott es will legt auch nahe zu realisieren, was im Übermaß hergestellt und konsumiert wird. Ein gerechtes Fasten führt gleichzeitig zu Gewinn an Lebensqualität und zur Menschlichkeit. Dabei nehmen wir uns gegenseitig wahr und bemühen uns um gerechtes Teilen und gerechtes teilhaben lassen.
Darum: „Brechen wir – im rechten Verzichten – dem Hungrigen unser Brot“.
Beginnen wir damit in kleinen Schritten und Gott unser Herr macht uns gewiss, dass wir dabei nicht allein sind und „Das Licht wird hervorbrechen wie die Morgenröte“.

„Der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
bewahre unsre Herzen und Sinne in Christus Jesus.“ Amen.

 

Lied 418

1. Brich dem Hungrigen dein Brot. Die im Elend wandern,
führe in dein Haus hinein; trag die Last der andern.

2. Brich dem Hungrigen dein Brot; du hast's auch empfangen.
Denen, die in Angst und Not, stille Angst und Bangen.

3. Der da ist des Lebens Brot, will sich täglich geben,
tritt hinein in unsre Not, wird des Lebens Leben.

4. Dank sei dir, Herr Jesu Christ, dass wir dich noch haben
und dass du gekommen bist, Leib und Seel zu laben.

5. Brich uns Hungrigen dein Brot, Sündern wie den Frommen,
und hilf, dass an deinen Tisch wir einst alle kommen.

Fürbittengebet

Gott,
im Vertrauen auf deine Güte und Treue bitten wir:
für alle Menschen,
die unter ungerechten Systemen leiden;
für Politikerinnen und Politiker,
dass sie kluge und vorausschauende Entscheidungen treffen;
für Ärztinnen und Ärzte, Pflegerinnen und Pfleger,
dass sie ihren verantwortungsvollen Dienst
ohne Schaden für sich und andere erfüllen;
für die in Wissenschaft Tätigen,
dass ihre Forschungen dem Leben dienen;
für deine Kirche,
dass sie dein Wort mutig und kompromisslos verkündigt
und Sünde und Vergebung beim Namen nennt;
für Eltern und Großeltern,
dass sie ihren Kindern und Enkeln glaubwürdig von dir erzählen;
für uns alle,
dass unser Gottesdienst und unser Alltag übereinstimmen. Amen.

Segen
Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

Montag, 15.11.2021

Kleidersammlung für Bethel

In der Zeit vom 11. November bis 15. November 2021 findet in unserer Gemeinde wieder die jährliche Kleidersammlung für die Bodelschwinghschen Anstalten Bethel statt. ... weiterlesen