Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den Sonntag Invocavit

von Pfarrer Claudius Zeller

21.02.2021

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Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich begrüße Sie herzlich zum Lesegottesdienst am Sonntag Invokavit.
Die Passionszeit beginnt. Passion bedeutet Leidenschaft, Hingabe.
40 Tage dauert sie - wie die Wüsten-Zeit Jesu in der Versuchungsgeschichte (Mt 4,1-11).
Wer genau nachrechnet, kommt allerdings auf 46 Tage. Die Zahl 40 ergibt sich,
weil die Sonntage nicht mitgezählt werden. Denn sie sind von Ostern her geprägt:
Jeder Sonntag ist ein Auferstehungsfest.

Lied 362

1. Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen.
Er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.
Der alt böse Feind mit Ernst er's jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.

2. Mit unsrer Macht ist nichts getan, wir sind gar bald verloren;
es streit' für uns der rechte Mann, den Gott hat selbst erkoren.
Fragst du, wer der ist? Er heißt Jesus Christ,
der Herr Zebaoth, und ist kein andrer Gott,
das Feld muß er behalten.

3. Und wenn die Welt voll Teufel wär und wollt uns gar verschlingen,
so fürchten wir uns nicht so sehr, es soll uns doch gelingen.
Der Fürst dieser Welt, wie sau'r er sich stellt,
tut er uns doch nicht; das macht, er ist gericht':
ein Wörtlein kann ihn fällen.

Psalm 91

Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt *
und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

der spricht zu dem HERRN: /
Meine Zuversicht und meine Burg, *
mein Gott, auf den ich hoffe.

Denn er errettet dich vom Strick des Jägers *
und von der verderblichen Pest.

Er wird dich mit seinen Fittichen decken, /
und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. *
Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, *
vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

vor der Pest, die im Finstern schleicht, *
vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

Denn der HERR ist deine Zuversicht, *
der Höchste ist deine Zuflucht.

Es wird dir kein Übel begegnen, *
und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

Denn er hat seinen Engeln befohlen, *
dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

dass sie dich auf den Händen tragen *
und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Lesung

Das Bibelwort für den heutigen Sonntag steht im Johannesevangelium, Kapitel 13:

Als Jesus das gesagt hatte,
war er im Innersten tief erschüttert.
Er erklärte ihnen: »Amen, amen, das sage ich euch:
Einer von euch wird mich verraten.«
Da sahen sich die Jünger ratlos an
und fragten sich: »Von wem spricht er?«
Einer von seinen Jüngern, den Jesus besonders lieb hatte,
lag bei Tisch an der Seite von Jesus.
Ihm gab Simon Petrus ein Zeichen.
Er sollte Jesus fragen, von wem er gesprochen hatte.
Der Jünger lehnte sich zurück zu Jesus
und fragte ihn: »Herr, wer ist es?«
Jesus antwortete:
»Es ist der, für den ich ein Stück Brot
in die Schüssel tauche und dem ich es gebe.«
Er nahm ein Stück Brot, tauchte es ein
und gab es Judas, dem Sohn von Simon Iskariot.
Sobald Judas das Brot genommen hatte,
ergriff der Satan Besitz von ihm.
Da sagte Jesus zu ihm:
»Was du tun willst, das tue bald!«
Von den anderen am Tisch verstand keiner,
warum Jesus das zu Judas sagte.
Weil Judas die Kasse verwaltete, dachten einige,
dass Jesus zu ihm gesagt hatte:
»Kauf ein, was wir für das Fest brauchen.«
Oder sie dachten:
Jesus hat ihm aufgetragen, den Armen etwas zu geben.
Als Judas das Stück Brot gegessen hatte,
ging er sofort hinaus.
Es war aber Nacht.

Lesepredigt

Liebe Leserin, lieber Leser,
jetzt mal ganz ehrlich:
Ich glaube weder Sie noch ich hätten das gekonnt:
Mit jemand am Tisch zu sitzen,
von dem ich weiß, er wird mich verraten,
was auch immer das in meiner Lebenssituation bedeutet.
Da ist jemand, der kommt hinten herum,
um mich am Boden zu sehen.
Und ich geh ihn nicht an.
Ich halte ihn nicht auf.
Ich schau ihn an und sage:
„Tu, was tu tun willst, aber tu’s bald.“

Klar, sagen wir, klar natürlich, Jesus kann das.
Der weiß ja, was Gott will. Der kennt ja den Plan.
Uns so oft ich mit dieser Frage konfrontiert werde,
so oft komme ich zur selben Antwort:
Gott hat keinen Plan.
Es gibt keinen Masterplan für diese Welt.
Es gibt keinen Plan für mein Leben oder dein Leben.
Denn es würde in die ganze Geschichte Gottes
einfach nicht reinpassen.
Denn die ganze Geschichte Gottes mit uns Menschen
ist eine Geschichte in der es um Freiheit geht.
Immer und immer wieder die Suche
nach sinnvoller, gelungener,
menschenwürdiger und liebevoller Freiheit.
Doch ein Mensch,
der zu allem einfach nur sagen würde
„Das ist der Plan Gottes“,
ist nicht frei,
sondern ist eine Marionette.

Allein: Gott hat keinen Plan. Gott hat eine Vision.
Gott hat eine Vorstellung von dieser Welt,
von dem, was Leben ist.
Ganz am Anfang in der Bibel erleben wir es.
Und siehe, es war alles sehr gut.“
Und am Anfang des Johannesevangeliums heißt es:
„Im Anfang war das Wort,
und das Wort war bei Gott,
und Gott war das Wort.
Alle Dinge sind durch dasselbe gemacht,
und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist.
In ihm war das Leben,
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht scheint in der Finsternis,
und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“
Gott hat keinen Plan. Gott hat eine Vision,
eine feste Vorstellung davon, wie diese Welt sein sollte.
Und er hat die Welt letztendlich,
so glauben wir es als Christinnen und Christen,
uns anvertraut,
auf dass wir sie bebauen und bewahren,
auf dass wir ein Segen für sie sind.
Gott sucht nach meiner Liebe in dieser Welt.

Weil aber Jesus Christus weiß
- so erkläre ich es mir –
weil er weiß, dass er nur,
wenn er seinen Weg zu Ende geht,
er das Licht, das in ihm ist,
in die Welt bringen kann.
Weil Jesus Christus das weiß,
kann er zu Judas sagen:
„Tu, was du tun musst!“
Wenn Christus den Weg ans Kreuz nicht gehen würde,
er würde sein Leben verwirken.
Das ist es, was Christus,
was Jesus von Nazareth tief in sich spürt.
Nicht das Kreuz, nicht das Leid, sondern die Tatsache:
Wenn ich jetzt aufhöre,
das zu tun, was ich tun soll,
dann ist alles umsonst.

Ich glaube, um herauszufinden,
was Gottes Vision auch in meinem Leben ist,
was Gottes Vision auch in deinem Leben ist,
ist es gut und wichtig, sich selbst zu fragen:
Was vermehrt das Licht?
Was vermehrt diese ewige Liebe,
von der Gott ein Stück in uns hineingelegt hat?
Was vermehrt das Licht?
Vielleicht kann uns diese Frage helfen
in manch schwieriger Situation
– und wir sind gerade in einer extrem schwierigen Situation –
zu entscheiden,
was wir tun sollen,
wie wir leben sollen,
was wir lassen sollen.
Was vermehrt das Licht?
Was ist das Licht in meinem Leben,
die Kraft, aus der ich alles nehme?
Was vermehrt dieses Licht?

Wir sind nicht Christus.
Wir sind einfache Menschenkinder.
Aber Gott hat auch für unser Leben eine Vision:
Einen guten Gedanken,
eine sinnvolle Aufgabe,
ein wunderbares Ziel,
auch wenn der Weg manchmal
noch so verworren und anstrengend erscheint.
Daran wollen wir festhalten.
Und an der Kraft der Verwandlung
die im Glauben steckt.

Gottes Licht in allen Ecken.
Seine Kraft in jedem Winkel meiner Seele.
Seine Liebe an allen Orten dieser Welt,
in allem, was lebt.
„Und die Finsternis hat’s nicht ergriffen.“
Dein Licht, du unser Gott, leuchte uns.
Und was dein Licht hervorbringt,
sei uns Wegweiser im Dickicht des Lebens,
in allen Ecken und Winkeln,
in allen Orten, in allem, was lebt.
Und aus deinem Kreuz
erwächst Leben.
Und die Finsternis hat keine Chance. Amen.

Lied 98

1. Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht,
ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2. Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt
Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4. Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht.
Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

6. Hart auf deiner Schulter lag das Kreuz, o Herr,
ward zum Baum des Lebens, ist von Früchten schwer.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn.
Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Fürbittengebet

Allmächtiger Gott,
Angst und Tod und Zerstörung,
wie kann es sie geben unter deinen Augen?
In der Liebe, im Leiden bist du unter uns
und lässt dein Reich wachsen.

Überwinde das Böse, den Mangel an Liebe,
wo dem Gewinn für sich selbst
Leben und Gesundheit anderer geopfert werden,
wo Gefühl zum Kalkül, wo menschliche Nähe zum Instrument wird
für eigene Interessen,
wo Menschen andere zu Waren machen.
Herr, erbarme dich.

Überwinde das Böse, den Mangel an Frieden,
wo Menschen getrieben sind und doch nicht wissen wohin,
wo Gewaltherrschaft keine Skrupel mehr kennt,
wo Krieg und Bürgerkrieg Menschen zu Bestien werden lassen.
Herr, erbarme dich.

Überwinde das Böse, den Mangel an Wahrheit,
wo Täuschung, Zensur und Desinformation herrschen,
wo Menschen manipuliert werden,
wo Angst geschürt und aus Angst geschwiegen wird.
Herr, erbarme dich.

Überwinde das Böse, den Mangel an Hoffnung,
wo Menschen sich zurückziehen,
wo sie nur noch funktionieren,
wo unwidersprochen Lebensräume zerstört werden.
Herr, erbarme dich.

Wir vertrauen dir,
du verborgener, du naher Gott,
dass du uns nicht uns selbst überlässt,
sondern in deiner Liebe verwandelst.

Vater unser …

Lied 347

1. Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ,
dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.

4. Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr;
dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.

6. Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott;
Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

Samstag, 27.02.2021

Worauf bauen wir?

Weltgebetstag: "Vanuatu" am 05. März 2021 Auch wenn es 2021 keinen Präsenzgottesdienst mit anschließendem Beisammensein geben kann – der Weltgebetstag fällt nicht aus! Wenn Sie teilnehmen möchten, laden wir Sie ein, ein "Überraschungspaket" bei uns (Birgit Koch, Tel. 4332 oder Luitgard Heinzler, (AB) Tel. 30041) zu bestellen. Mit diesem Paket und einer Gottesdienstübertragung um 19 Uhr auf Bibel TV oder YouTube können wir getrennt zusammen sein und gemeinsam feiern. Darauf bauen wir. Ihr Weltgebetstags-Team ... weiterlesen