Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den Sonntag Reminiszere

von Pfarrer Claudius Zeller

28.02.2021

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Andacht zum Anhören (MP3-Format) 

 

Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Ich begrüße Sie herzlich zum Lesegottesdienst am Sonntag Reminiszere.
Inmitten der Erfahrungen von Leid und Schuld erinnert dieser Sonntag an die Liebe Gottes, der nicht will, dass die Menschen verloren gehen. Wenn die Not groß ist, dann hilft es, sich selbst – und Gott – daran zu erinnern: Reminiszere = Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit!

Lied NL 208

1. Warum leiden so viele Menschen, und ihr Leben ist bedroht? Warum musste Jesus sterben einen bittren Kreuzestod? Die Olivenbäume weinen, Trauer legt sich auf mein Herz. Schaut und seht im Vorübergehen, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz.

2. Dunkel scheinen mir die Tage, und ich sehe oft kein Licht. Gott, erhöre meine Klage, sei uns nah, verlass uns nicht! Lass die Hoffnung in uns wachsen: Leben schafft sich wieder Raum. Und das Holz des Kreuzes Jesu wird für uns zum Lebensbaum.

Psalm 25

Nach dir, HERR, verlangt mich. *
Mein Gott, ich hoffe auf dich;

lass mich nicht zuschanden werden, *
dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

HERR, zeige mir deine Wege *
und lehre mich deine Steige!

Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! /
Denn du bist der Gott, der mir hilft; *
täglich harre ich auf dich.

Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit /
und an deine Güte, *
die von Ewigkeit her gewesen sind.

Lesung, Jesaja 5, 1-7

Der Weinberg ist in der Bibel Bild für das Volk Gottes. Mit diesem Bild
zeigt der Prophet Jesaja auf: Gott umsorgt sein Volk und wartet, dass es Frucht bringt.
Wir hören einen Abschnitt aus dem Jesajabuch, Kapitel 5:
Ein Lied von meinem Freund will ich euch singen.
Es ist das Lied von meinem Freund und seinem Weinberg:
Mein Freund hatte einen Weinberg
auf einem fruchtbaren Hügel.
Er grub ihn um, entfernte die Steine
und bepflanzte ihn mit den besten Weinstöcken.
Mittendrin baute er einen Wachturm.
Auch eine Kelter zum Pressen der Trauben hob er aus.
Dann wartete er auf eine gute Traubenernte,
aber der Weinberg brachte nur schlechte Beeren hervor.
Jetzt urteilt selbst,
ihr Einwohner von Jerusalem und ihr Leute von Juda!
Wer ist im Recht – ich oder mein Weinberg?
Habe ich irgendetwas vergessen?
Was hätte ich für meinen Weinberg noch tun sollen?
Ich konnte doch erwarten, dass er gute Trauben trägt.
Warum hat er nur schlechte Beeren hervorgebracht?
Ich will euch sagen,
was ich mit meinem Weinberg tun werde:
Die Hecke um ihn herum werde ich entfernen
und seine Schutzmauer niederreißen.
Dann werden die Tiere ihn kahl fressen und zertrampeln.
Ich werde ihn völlig verwildern lassen:
Die Reben werden nicht mehr beschnitten
und der Boden nicht mehr gehackt.
Dornen und Disteln werden ihn überwuchern.
Den Wolken werde ich verbieten,
ihn mit Regen zu bewässern.
Wer ist dieser Weinberg?
Der Weinberg des Herrn Zebaot,
das sind die Bewohner von Israel.
Die Leute von Juda,
sie sind seine Pflanzung, an der sein Herz hing.
Der Herr wartete auf Rechtsspruch,
doch seht her, da war Rechtsbruch.
Er wartete auf Gerechtigkeit,
doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.

Lesepredigt

Liebe Leserin, lieber Leser,
Lohnt sich die Liebe,
die Gott von Anfang an
in seinen Weinberg steckt?
Hat Gott am Ende Erfolg mit seiner Mühe,
oder erklingt hier das Lied
von Gottes vergeblicher Liebesmüh?
Das Weinberglied beginnt idyllisch.
Ein Weinberg in vortrefflicher Lage.
Die edle Rebsorte.
Eine Kelter steht parat.
Der Turm zum Schutz der Reben.
Man gewinnt den Eindruck,
dieser Winzer versteht sein Fach.
Als Winzersohn weiß ich:
Reben machen viel Arbeit.
Sie brauchen stete Pflege.
Die Ernte im Herbst ist dann der Lohn.
Trauben, direkt von der Ranke in den Mund.
Wagen mit Bottichen voll reifer Trauben.

Das passende Ende vom Weinberglied:
Nüsse, Bauernbrot und Federweißer.
Einige Zeit später dann ein guter Qualitätswein:
Riesling oder Spätburgunder.
Gerechtigkeit und Recht.
Gott hat seine Leute
mit viel Liebe und Mühe betreut.
Und dann die Ernüchterung:
Schlechte Trauben. Unrecht und Vergehen.
Gott wird enttäuscht.
Wie viel Arbeit investiert Gott
durch die Geschichte hindurch,
das ganze Kirchenjahr über,
in seinen Weinberg.
Mit welcher Ausdauer kümmert Gott sich
um sein Volk und um die Gemeinde,
überhaupt um seine Leute in der Welt.
Der Weinberg des Herrn, wir alle,
wird nicht nur wie der badische Wein
von der Sonne verwöhnt,
sondern von der Liebe Gottes.
Wir reifen in der Wärme seines Segens
und im Licht seines Wortes.
Gott ist bei mir an der Arbeit,
wenn ich vertraue,
mich geborgen fühle im Leben,
das Vaterunser bete,
wenn der Gottesdienst am Sonntag dazugehört.
Da erfahre ich,
wie Gott sich Mühe macht mit mir.
Er versteht sein Fach.
Dafür erwartet er dann von uns,
dass seine Liebesmühe fruchtet.
Die Welt soll durch uns besser werden.
Da, wo wir sind, soll es gerecht zugehen.
Die Schwachen sollen - durch uns –
zu ihrem Recht kommen.
Gott hat eine bestimmte Idee vom Zusammenleben.
Zumindest da, wo wir, seine Leute, Einfluss haben,
soll sie gelebt werden.
Dazu hegt und pflegt er uns.

Die Frage lautet:
Wie kann ich in meinem Leben
Willensbeauftragter Gottes sein?
Was von Gottes gutem Willen
kann ganz schlicht von mir umgesetzt werden?
Gott will, dass es recht und gerecht zugeht
mindestens da, wo seine Leute sitzen,
in ihrer Gemeinde, in ihrem Umfeld,
und auch in der Gesellschaft.

Lohnt sich die Mühe,
die Gott von Anfang an
in seinen Weinberg steckt?
Hat Gott am Ende Erfolg mit seiner Liebe?
Es hört sich nicht so an.
Wir sprechen von Gott und Gottes Liebe
in einem Atemzug
als wäre das ganz selbstverständlich.
Doch jetzt schiebt sich ein Keil dazwischen, zwischen Gott und Liebe.
Ein unerfreulicher, schmerzhafter Unterton
schwingt im Weinberglied mit.
Es klingt ratlos und enttäuscht.
Was hätte ich noch machen sollen?
Wie viel Einsatz hätte ich noch bringen sollen?
Alles vergeblich.
Ich habe doch genug für euch Menschen,
für mein Volk getan.
Habe euch die Steine aus dem Weg geräumt.
Habe euch aus der Bedrückung in die Freiheit geführt.
Habe euch den guten Boden der Gebote gegeben,
damit eine friedliche und gerechte Gemeinschaft wachsen kann.
Jetzt in der Passionszeit liegt der Ton darauf,
wie Gott sich Mühe gemacht hat mit uns,
mit unserer Schwerfälligkeit,
mit unserer Gleichgültigkeit.
Der Weg Jesu ans Kreuz.
Gott steht auf der Seite derer,
die schwach sind
und ihrer Schuld
nichts entgegensetzen können,
die vor dem Bösen und dem Tod resignieren.
Gott macht uns stark.

Seine Liebe ist keine Nettigkeitsgeste
über dem Weltgeschehen,
keine Freundlichkeitspose
in Richtung Gottesvolk oder Kirche
oder meinem Leben.
Gott spannt uns ein in sein Geschäft.
Keineswegs aus Eigennutz!
Er bindet seine Liebe immer an mein Handeln
für den, der mich braucht,
mein Ohr, meine Zeit, meine Kräfte.
Gott liebt mich immer zu meinem Nächsten hin.
Gott liebt umsonst,
aber es soll nicht umsonst gewesen sein.

Wieder die Erinnerung eines Winzersohnes:
Die erste Frage, wenn mein Vater zurückkam
von der Winzergenossenschaft,
wohin die Bottiche voller Trauben
mit dem Traktor transportiert worden waren:
Wie viel haben die Trauben „gezogen“?
Gemeint waren die gemessenen Grad Öchsle.
So und so viel.
In schlechten Jahren hieß es dann:
Ach, das ist aber wenig!
Die Trauben waren nicht so süß.
Das wird kein besonderer Wein.

Gottes Weinberg,
und dann saure Trauben
und damit ein billiger Wein
und damit schlechte Stimmung.
Übrig bleiben gereimte Vorwürfe,
Dinge, auf die Gott gerne verzichten würde.
„Er wartete auf Rechtsspruch,
doch seht her, da war Rechtsbruch,
Er wartete auf Gerechtigkeit,
doch hört nur, wie der Rechtlose schreit.“
Auf Gottes Liebe und Zuwendung
sollten sich ganz andere Dinge reimen.
Das Fehlverhalten brüskiert Gott
in seiner Liebesmühe.
Gott schafft alle Voraussetzungen
für Rechtsspruch.
Warum dann stattdessen Rechtsbruch?
Fazit: Es geht für Gott nicht mehr auf mit seiner Liebe.
Warum werden die Trauben nicht süß,
wo doch die Sonne scheint?
Warum leben wir nicht in seinem Sinne,
wo seine Liebe uns doch wichtig ist?
Enttäuschte Liebe meldet sich hier.
Denn eigentlich sind seine Leute,
wie der Prophet es formuliert,
„eine Pflanzung, an der sein Herz hing“ (V. 7).
Das Volk Israel dort und wir hier:
Gottes Herz hängt an uns.
Und plötzlich dann der Stimmungswechsel:
Schlechte Trauben. Saurer Wein.
Nicht nur die Trauben, Gott ist sauer.

Ist das nun das Ende vom Lied?
Letzten Endes ist Gott inkonsequent.
Denn Gott lässt uns nicht zugrunde gehen.
Gott überlässt die Menschheit nicht sich selbst - mit allen Folgen, die das hätte.
Seine Liebesgeschichte geht immer noch weiter –
Gott sei Dank –
allem normalen Menschenverstand zum Trotz.
Mitten hinein in diesen unfruchtbaren Weinberg
pflanzt Gott einen neuen,
fruchtbringenden Weinstock.
Jesus Christus heißt er.
„Wer in mir bleibt und ich in ihm,
der bringt viel Frucht", sagt Jesus.
Hier trägt das Leben neue Früchte.
Hier nehmen unser Leben
und unsere Freude am Leben
einen neuen Anfang.
Hier wächst erfülltes Leben, „Frucht zu seiner Zeit".

Möge dieser Weinstock viele Reben bekommen,
Menschen, die Gutes im Sinn haben,
ohne auf Gegenleistung zu spekulieren,
Menschen, die füreinander da sind.
Und möge an diesem Weinstock
Wein des Lebens wachsen,
der den Menschen guttut und sie erfreut,
sodass andere sagen:
„Schön, dass es dich gibt!" Amen.

Lied NL 173

Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.
1. Dein Reich in Klarheit und Frieden, Leben in Wahrheit und Recht.
Dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.

2. Dein Reich des Lichts und der Liebe lebt und geschieht unter uns.
Dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.

3. Wege durch Leid und Entbehrung führen zu dir in dein Reich.
Dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.
Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn, dein Reich komme, Gott, dein Reich komme.

Fürbittengebet

Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Deine Barmherzigkeit rettet und heilt und beschützt.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und rette deine Schöpfung.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die traumatisierten Kinder in den Flüchtlingslagern.
Erinnere dich an die Menschen,
die kein Zuhause haben
Erinnere dich an die Mutigen,
die den Gewaltherrschern widerstehen.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und rette uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und heile die Kranken.
Erinnere dich, ewiger Gott,
an die Kranken auf den Intensivstationen
und auch an die Genesenden.
Erinnere dich an die,
die alles für die Kranken und Hinfälligen tun.
Erinnere dich an die Trauernden
und hülle die in deine Liebe,
die ohne Umarmung Abschied nehmen mussten.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Erhöre uns und heile uns.

Erinnere dich an deine Barmherzigkeit
und beschütze, die dir vertrauen.
Erinnere dich an die Verfolgten in aller Welt.
Erinnere dich an die Frauen von Vanuatu.
Erinnere dich an die Verzweifelten und die,
die um ihre Existenz fürchten.
Erinnere dich an unsere Gemeinde und an alle,
für die wir Verantwortung haben.
Du bist barmherzig, ewiger Gott.
Berühre uns mit deiner Barmherzigkeit
und verwandle diese Welt
durch die Liebe Jesu
heute und an jedem neuen Tag.
Amen.

Vater unser …

Lied 96

Du schöner Lebensbaum des Paradieses,
gütiger Jesus, Gotteslamm auf Erden.
Du bist der wahre Retter unsres Lebens,
unser Befreier.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

Montag, 15.11.2021

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