Melanchtongemeinde Malsch

Lesegottesdienst für den Sonntag Okuli

von Pfarrer Claudius Zeller

07.03.2021

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Eingangswort

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Der dritte Sonntag in der Passionszeit – Okuli (auf Deutsch: „Augen“) –
hat seinen Namen von Psalm 25,15: „Meine Augen sehen stets auf den Herrn.“
Das „auf den Herrn sehen“ wird mit einem Bibelwort aus dem Lukasevangelium noch präzisiert.
In Lukas 9,57–62 sagt einer der Jünger zu Jesus: „Ich will dir folgen, wohin du auch gehst.“
Dieser Sonntag will uns dazu anregen, darüber nachzudenken, was für uns Nachfolge Jesu bedeutet

 

Lied 97

1 Holz auf Jesu Schulter, von der Welt verflucht, ward zum Baum des Lebens und bringt gute Frucht. Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

2 Wollen wir Gott bitten, dass auf unsrer Fahrt Friede unsre Herzen und die Welt bewahrt.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

3 Denn die Erde klagt uns an bei Tag und Nacht. Doch der Himmel sagt uns: Alles ist vollbracht! Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

4 Wollen wir Gott loben, leben aus dem Licht. Streng ist seine Güte, gnädig sein Gericht.
Kyrie eleison, sieh, wohin wir gehn. Ruf uns aus den Toten, lass uns auferstehn.

Psalm 34

Die Augen des Herrn merken auf die Gerechten
und seine Ohren auf ihr Schreien.

Das Antlitz des Herrn steht wider alle, die Böses tun,
dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

Wenn die Gerechten schreien, so hört der Herr
und errettet sie aus all ihrer Not.

Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind,
und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

Der Gerechte muss viel leiden,
aber aus alledem hilft ihm der Herr.

Der Herr erlöst das Leben seiner Knechte,
und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Lesung, Lukas 9, 57-62

Jesus lebt heimatlos. Sein Ruf in die Nachfolge stellt vertraute Bindungen in Frage.
So überliefert es das Lukasevangelium in Kapitel 9:

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu Jesus: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber:
Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben;
du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor,
dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes

Lesepredigt

Liebe Gemeinde,
nur unter einem Mikroskop können wir es sehen. Kugelförmig mit vielen Zacken.
Daher auch der Name: Corona.
Unter dem Mikroskop zeigt es sich, aber im normalen Leben
ist es nach wie vor der unsichtbare Feind, mit dem wir es weltweit zu tun haben.
Das Virus breitet sich aus, entwickelt Mutationen und verübt an uns sein übles Werk.
Es hat das Zeug dazu, uns in Sorge zu versetzen.
Es hat das Zeug dazu, Menschen voneinander zu trennen.
Sie in die Einsamkeit zu schicken, in Isolation, Quarantäne.
Aber auch das andere ist wahr. Das Virus kann alle treffen.
Egal woher wir kommen, ob Männer oder Frauen,
egal ob reich oder arm, mächtig oder machtlos,
egal welche Hautfarbe und Religion.
Es macht keinen Unterschied.
Insofern müsste es uns in der Menschheitsfamilie zusammenschweißen.
Wenn das doch nur besser gelänge. Nun denn.
Lassen wir nicht locker, uns zu schützen und das Virus zu bekämpfen.
Und schauen wir, dass auch die Solidarität nicht auf der Strecke bleibt.
Ich weiß nicht, ob das Bibelwort für heute uns dabei helfen kann. Schauen wir mal.
Die Geschichte aus dem Lukasevangelium hat es in sich:

Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben
Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach!
Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben;
du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!
Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor,
dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.
Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt:
Jesus von Nazareth, jüdischer Wanderprediger, zieht durchs Land.
Wird abgewiesen von Häusern und Dörfern.
Wer weiß, was die uns einschleppen, diese Fremden?
Böse Krankheiten, aufrührerische Ideen. Also Türen zu, Tore zu. Haut bloß ab.
Er zieht weiter. Richtung Jerusalem. Einige wollen ihm folgen. Viele sind es nicht.
Drei Aspiranten werden erwähnt.
„Ich will dir folgen, wohin du gehst.“
Aber auch diese wenigen werden mit einer Schroffheit abgebürstet,
die einen Schlucken lässt.
Dabei sind sie doch schon gemeinsam unterwegs.
Der Anfang ist längst gemacht. Die Geschichte mit Jesus hat längst begonnen.
Die drei Aspiranten sind also schon Angesprochene.
Aber wissen sie, was das heißt?
Unbehaust sein, heißt das. Leben ohne Dach über dem Kopf.
Eine grässliche Vorstellung.
Wir richten uns ein. Wir bauen uns Häuser und Wohnungen.
Und wir bergen uns innerhalb unserer eigenen vier Wände.
Und in diesen Tagen wird das eigene Zuhause
in besonderer Weise zum Schutzraum gegen den viralen Feind.
Bleiben Sie zuhause, mahnt die Kanzlerin.
Wie tief dieses Bedürfnis nach einem sicheren Ort ist,
lässt sich auch erahnen an der Verunsicherung, die entsteht,
wenn dieses Wohnen gefährdet ist. Wohnungsmangel.
Wohnungsverlust steht ganz oben auf der Liste der Ängste.

Ohne Obdach zu sein, ertragen wir auf Dauer nicht.
Der Mensch muss wohnen, deshalb baut er unentwegt an seiner Welt.
Baut daran, eine Heimat zu haben.
Dazu gehört noch mehr als ein Dach über dem Kopf.
Dazu gehört das Gefühl, dazu zu gehören: Zu einer Gruppe, einer Familie, einer Tradition.
Und doch lässt sich dieses Bedürfnis nach Heimat nie wirklich ganz stillen.
Immer bleibt da ein diffuses Gefühl, dass etwas fehlt.
Bleibt eine geheimnisvolle Fremdheit. Ein leises Heimweh. Trotz allem.
Die Sehnsucht nach diesem Ort lässt nie ganz zur Ruhe kommen.
Sie durchzieht wie ein untergründiger Strom unser Alltagleben.
Und es kann jederzeit hervorbrechen, dieses Gefühl,
dass wir uns auf dieser Erde nie ganz zuhause fühlen.
Deshalb dieses ständige Bedürfnis
ein Nest zu bauen, sich einzurichten in der Welt.

Jesus hat dieses Ziel nicht. Er hat keine Bleibe, richtet sich nicht ein.
Und so vergleicht er sich gar nicht erst
mit den Menschen, die die Erde bebauen, um sie zu bewohnen,
sondern mit den Füchsen und Vögeln.
Und selbst die haben ihm etwas voraus.
Er hat keine Höhle, kein Nest. Er ist nirgends daheim.
Ohne Bürgerrecht und ohne Aufenthaltsgenehmigung.
Wollt ihr dieses Leben teilen?
Wir wissen nicht, wie die drei Aspiranten sich entschieden haben.
Stattdessen sind wir es nun, die mit diesen Fragen konfrontiert werden.

Und kaum ist man innerlich verwickelt mit diesen Fragen nach Schutz und Heimat
und wie es wohl ohne all das wäre, kommt die nächste Provokation.
In Befehlsform gesprochen:
„Lasst die Toten ihre Toten begraben.“
Eine harte, ja unmenschliche Aufforderung.
Die toten Eltern zu bestatten war heilige Pflicht.
Und auch ich spüre an diesem Punkt den stärksten Widerstand.
Ich möchte meine Toten begraben und betrauern.
Und wenn ich gehen muss, dann nicht ohne Abschied.
Ich möchte zurückblicken auf das, was war.
Mal bewegt, mal liebevoll, mal mit Trauer, mal mit Dankbarkeit.
Ich möchte mich erinnern. Ich möchte eine Geschichte haben.
Und selbst wer das nicht möchte, wird doch eingeholt von ihr.
Denn diese Geschichte wirft auch ihre Schatten.
Die Scherbenhaufen, die wir in unserer Geschichte angehäuft haben.
Sie werfen ihre Schatten.
Und wer sie ignoriert, geht unbekümmert wieder in die Irre.
Auch unsere persönliche Geschichte
wirft immer wieder ihre Schatten auf unser Leben.
Und man sollte sie in den Blick nehmen,
um sich nicht dauerhaft von ihnen bannen zu lassen.

Und doch kann dieser Blick zurück das Leben auch einmauern.
Die Vergangenheit kann uns zu schaffen machen.
Wir sind weit über den Abschied auf dem Friedhof hinaus
damit beschäftigt, unsere Toten zu begraben.
Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück,
der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.
Jeder hat die Hand an irgendeinem Pflug und zieht seine Furchen. So oder so.
Das Leben ist oftmals mehr ein Geschoben- und Gestoßenwerden
als ein zielgerichtetes Gehen. Es ist ein Humpeln über Hindernisse.
Doch jetzt soll der Pflug neu ausgerichtet werden. Nach vorn.
Und dort, wo die Spitze des Pfluges hinweist, ist die Zukunft.

Lass die Toten ihre Toten begraben,
das ist die Zumutung, sich auf die Zukunft einzulassen.
Und in dieser Zukunft wartet nicht der Tod.
In dieser Zukunft wartet das Leben!
„Du aber geh hin
und verkündige das Reich Gottes.“
Das Reich Gottes als Ausblick. Als Horizont.
Gottes Reich kommt.
Es kommt, wo immer wir gerade pflügen.
Es kommt, wo immer wir gerade hocken
mit unseren Sorgen, mit all den Fragen
und dieser unsicheren Situation.

Liebe Gemeinde,
wir leben in beunruhigenden Zeiten.
Wie gerne wären wir wieder näher beieinander.
Würden gerne gemeinsam singen,
uns die Hand reichen oder in den Arm nehmen.
Das geht leider noch nicht.
Aber wir bleiben im Glauben und im Gebet beieinander.
Wir denken aneinander, halten Kontakt zueinander.
Und wir blicken nach vorn. In die Zukunft.

Der Zukunft entgegenblicken, das heißt, Gott entgegenblicken.
Und Gott entgegenblicken heißt, dem Leben entgegenblicken.
Und dabei vertrauen wir auf Gottes heilsame Gegenwart. Amen.

Lied NL 163

1. In Christus ist mein ganzer Halt. Er ist mein Licht, mein Heil, mein Lied, der Eckstein und der feste Grund, sicherer Halt in Sturm und Wind. Wer liebt wie er, stillt meine Angst, bringt Frieden mir mitten im Kampf? Mein Trost ist er in allem Leid. In seiner Liebe find ich Halt.

2. Das ewge Wort, als Mensch geborn, Gott offenbart in einem Kind. Der Herr der Welt, verlacht, verhöhnt und von den Seinen abgelehnt. Doch dort am Kreuz, wo Jesus starb und Gottes Zorn ein Ende fand, trug er die Schuld der ganzen Welt. Durch seine Wunden bin ich heil.

3. Sie legten ihn ins kühle Grab. Dunkel umfing das Licht der Welt. Doch morgens früh am dritten Tag wurde die Nacht vom Licht erhellt. Der Tod besiegt, das Grab ist leer, der Fluch der Sünde ist nicht mehr, denn ich bin sein, und er ist mein. Mit seinem Blut macht er mich rein.

4. Nun hat der Tod die Macht verlorn. Ich bin durch Christus neu geborn. Mein Leben liegt in seiner Hand vom ersten Atemzuge an. Und keine Macht in dieser Welt kann mich ihm rauben, der mich hält. Bis an das Ende dieser Zeit, wenn er erscheint in Herrlichkeit.

Fürbittengebet

Hilf uns, Gott des Lebens.
Hilf uns in dieser Zeit
mit deiner Güte, mit deiner Gerechtigkeit, mit deiner Wahrheit.

Hilf denen, die an deiner Güte zweifeln,
die fragen, wo du bleibst,
die sich vor der Zukunft fürchten,
die sich aufreiben und nur Finsternis sehen.
Hilf du und antworte ihrer Not.

Hilf denen, die nach Gerechtigkeit schreien,
die hungern, die sterben,
die von allen verlassen sind.
Hilf du und sorge für ein gerechtes Leben.

Hilf denen, die um die Wahrheit ringen,
die sich der Lüge verweigern,
die dich suchen,
die dir vertrauen und Jesus nachfolgen.
Hilf du deiner Gemeinde – hier und in aller Welt.

Diese Zeit braucht Menschen, die aus deiner Güte leben.
die die Gerechtigkeit lieben, die die Wahrheit bezeugen.
Mache uns zu solchen Menschen
durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder.
Ihm vertrauen wir uns an – heute und alle Tage.
Amen.

Vater unser …

Lied 157

Lass mich Dein sein und bleiben, Du treuer Gott und Herr,
von Dir lass mich nichts treiben, halt mich bei Deiner Lehr.
Herr, lass mich nur nicht wanken, gib mir Beständigkeit,
dafür will ich Dir danken in alle Ewigkeit.

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht über uns und gebe uns Frieden. Amen.

Montag, 15.11.2021

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